50 Todesengel Inge Marchlowitz: Ein mörderisches Paar, Jules Familie und Tokio Hotel

Shownotes

Zwei Frauen stehen am Straßenrand und warten, dass sie jemand mitnimmt. Beide sind recht klein und zierlich. Die jüngere hat ein eher kindliches Gesicht, ihre Haare sind dunkel und sie trägt einen Pony. Die ältere hat ihre Haare unter einem Kopftuch versteckt. Die beiden harren dort aus, bis endlich ein Mann anhält und die beiden in seinen Wagen einsteigen lässt. Die junge Frau setzt sich auf die Rückbank, die ältere auf den Beifahrersitz. Sie plaudern über Belanglosigkeiten und von der Rückbank aus navigiert die Frau den Mann nach Krähenwinkel, einen Ort in der Nähe von Hannover. Irgendwann halten sie an. Da kramt die Ältere in ihrer Handtasche und zieht plötzlich eine Waffe hervor. Sie setzt die Pistole an den Kopf des Mannes. Dieser versucht noch, sich zu wehren, doch er hat keine Chance. Die Frau drückt kaltblütig ab. Vier Kugeln treffen den Mann aus nächster Nähe und er sackt blutüberströmt auf das Lenkrad. Nur wenige Sekunden später schnappt sich die junge Frau das Portemonnaie des Toten. Die Ältere steckt seelenruhig die Waffe ein und zieht sich das Tuch vom Kopf und was man dann sehen kann, ist durchaus überraschend. Jule und Karolin erzählen den Fall, der Jule persönlich betrifft, weil jemand aus ihrer Familie eines der Opfer kannte, und besprechen die Hintergründe mit Rechtsmediziner Thomas Kamphausen und Psychologe Christian Lüdke. Außerdem verraten sie, was der Fall mit Tokio Hotel zu tun hat.

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Autoren: Jule Gölsdorf Carolin Johannsen Karolin Kandler

Instagram: @sistersincrime.podcast @julegoelsdorf @karolin_kandler @kamphausenthomas.official @christian.luedke

Quellen: https://www.zeit.de/1959/06/viele-photos-doch-kein-bild/komplettansicht https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/_182.html https://www.focus.de/wissen/mensch/verbrechen-die-aufsehen-erregten-teil-1-zur- verbrecherin-dressiertid_9131973.html https://bildarchiv.archivrh.de/thema/detail/18639/56199/erstellungsdatum/asc/92/ https://www.vsrechtsanwaelte.de/blog-strafrecht/die-lebenslange- freiheitsstrafe/#:~:text=Zusammenfassung:,und%20erfordert%20eine%20gerichtliche%20En tscheidung Buch: Blaulicht, Günter Prodöhl - Der Todesengel von Krähenwinkel

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Transkript anzeigen

00:00:04: Zwei Frauen stehen am Straßenrand und warten, dass sie jemand mitnimmt.

00:00:08: Beide sind recht klein und zierlich.

00:00:11: Die Jüngere hat ein eher kindliches Gesicht.

00:00:13: Ihre Haare sind dunkel und sie trägt ein Pony.

00:00:17: Die Ältere hat ihre Haare unter einem Kopftuch versteckt.

00:00:21: Die beiden haren dort aus, bis endlich ein Mann anhält und die beiden in seinen Wagen einsteigen lässt.

00:00:28: Die junge Frau setzt sich auf die Rückbank, die Ältere auf den Beifahrersitz.

00:00:33: Sie plaudern über Belanglosigkeiten und von der Rückbank aus navigiert die Frau den Mann nach Crenwinkel, ein Ort in der Nähe von Hannover.

00:00:43: Irgendwann halten sie an.

00:00:45: Da kramt die Ältere in ihrer Handtasche und zieht plötzlich eine Waffe hervor.

00:00:51: Sie setzt die Pistole an den Kopf des Mannes.

00:00:53: Dieser versucht noch, sich zu wehren, doch er hat keine Chance.

00:00:58: Die Frau drückt kaltblütig ab.

00:01:01: Vier Kugeln treffen den Mann aus nächster Nähe und er sagt blutüberströmt auf das Lenkrad.

00:01:08: Nur wenige Sekunden später schnappt sich die junge Frau das Portemonnaie des

00:01:12: Toten.

00:01:14: Die ältere steckt Seelen ruhig die Waffe ein und zieht sich das Tuch vom Kopf.

00:01:20: Und was man dann sehen kann, ist durchaus überraschend.

00:01:34: Warum werden Frauen zu Täterinnen?

00:01:37: Was treibt die bösartigsten Mörderinnen an?

00:01:40: Brache?

00:01:41: Habgier?

00:01:42: Notwehr?

00:01:43: Eifersucht?

00:01:44: Oder einfach sadistisches Vergnügen?

00:01:47: Frauen können genauso brutal morden wie Männer.

00:01:49: Vielleicht sogar noch grausamer.

00:01:52: Wir berichten über interessante Fälle, beleuchten Hintergründe und sprechen mit Expertinnen und Experten.

00:01:58: Natürlich immer mit dem nötigen Respekt für die Opfer.

00:02:01: Sisters in Crime.

00:02:02: Frauen, die töten.

00:02:04: Ein True Crime Podcast mit Karolin Kandler und Jule Gülstorff.

00:02:18: Eine knackig kalte Woche liegt hinter uns und damit hallo.

00:02:21: hallo zu einer neuen Folge Sisters in Crime.

00:02:23: Ich bin Jule Gustav.

00:02:25: Und ich bin Karolin Kantler.

00:02:26: Schön, dass ihr mit dabei seid.

00:02:28: Und zu Beginn erst mal die Frage, in welchem Team seid ihr?

00:02:31: Also Team Winter oder Team ... Nee, ich kann es jetzt langsam nicht mehr sehen.

00:02:35: Ich will den Frühling.

00:02:36: Also ich bin auf jeden Fall Team Beides.

00:02:39: Ich mag es ja schon, wenn es so eisig kalt und sonnig ist.

00:02:41: Aber diesen Schneematsch auf den Straßen, den brauche ich jetzt wirklich nicht.

00:02:45: Und ich liebe ja Skifahren.

00:02:46: Du?

00:02:47: Ich

00:02:47: bin eher Team.

00:02:48: eine Woche Schnee und danach dreißig Grad das ganze Jahr über.

00:02:53: Weil ich habe relativ spät mit dem Skifahren angefangen und hatte dann irgendwie so ein Erlebnis, bei dem ich total Panik bekommen habe.

00:03:00: Und seitdem habe ich Angst und trau mich nicht mehr so richtig auf die Piste.

00:03:03: Aber man hört ja immer wieder von den ganzen Unfällen.

00:03:05: Also vielleicht ist das gar nicht so ungesund.

00:03:07: Wir müssen mal zusammen fahren gehen, aber halt nicht in den Ferien.

00:03:10: Dann ist es auch nicht so voll und dann gibt es auch weniger Unfälle.

00:03:14: Ich war ja jetzt über Weihnachten logischerweise zu Hause, wie die meisten.

00:03:18: Und das ist ja bei mir in Hannover.

00:03:20: Und ich muss zugeben, ich bin ja immer wieder überrascht, wie viele Verbrechen da so passieren.

00:03:25: Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst, Mord auf Ex hatte das Thema diesen Maschseemörder.

00:03:30: Das war ja eine wirklich unschöne Geschichte.

00:03:32: Oder auch jetzt gerade im Spätsommer wurde eine Leiche im Mittelland Kanal gefunden.

00:03:36: Und das hat mich ein bisschen an meinen heutigen Fall erinnert.

00:03:39: Da schwimmt nämlich auch jemand im Kanal in Hannover.

00:03:42: Und was echt strange ist, den Toten kannte mein Onkel.

00:03:47: Wie bitte?

00:03:47: Was ist der letzte Woche schon angeteasst?

00:03:49: Also der Fall hat irgendwas mit deiner Familie zu tun.

00:03:52: Jetzt bin ich gespannt.

00:03:53: Ja, zumindest im weitesten Sinne.

00:03:54: Also ich bin ja in Hannover aufgewachsen und war ganz häufig bei meinen Großeltern.

00:03:59: Die haben in so einem kleinen Dorf in der Nähe von Bad Münder gewohnt, also beziehungsweise in so einem kleinen Ortsteil.

00:04:05: Meine Großeltern hatten eine Stuhlfabrik.

00:04:07: Da gibt es auch heute noch so ein Stuhlmuseum in diesem ehemaligen Fabrikgebäude.

00:04:11: Ja, ansonsten ist dieses Örtchen wirklich super klein, beschaulich zwischen Deister und Synthel.

00:04:17: Und als die Leiche eines Mannes aus diesem Dorf in Hannover gefunden wird und das auch noch unter, ja, ich nenne es mal zwielichten Umständen, da war das natürlich ein riesiger Skandal.

00:04:27: Ja, das kann ich mir vorstellen, wie das so auf dem Dorf dann eben ist.

00:04:31: Und ihr... kannte den Mann?

00:04:32: Ja,

00:04:33: also mein Onkel ist mit dem Sohn des Totens zur Schule gegangen.

00:04:36: Dem

00:04:36: Sohn des Totens, okay, ja.

00:04:37: Ja, und auch wenn ich jetzt die Familie nicht kannte, fühlt es sich trotzdem irgendwie anders an, wenn so ein Fall dann teilweise in einem Hörtchen spielt, in dem du groß geworden bist.

00:04:46: Absolut, kann ich mir vorstellen.

00:04:47: Also bin ich auf jeden Fall gespannt drauf.

00:04:49: Ja, darfst du auch sein.

00:04:50: Es geht um den Todesengel von Krähenwinkel.

00:04:53: Gott,

00:04:53: Krähen klingt ja auch schon irgendwie so unheimlich nach Hitchcock die Vögel.

00:04:57: Also Vögel, die Menschen angreifen.

00:05:00: Ja, ganz so schlimm ist es ja in der Realität nicht.

00:05:03: Wobei es ja wirklich Krähenattacken gibt, liegt aber eher daran, dass Krähen einen ausgeprägten Beschützerinstinkt haben.

00:05:09: Und das habe ich gelesen, das fand ich wirklich spannend.

00:05:12: Krähen können sich menschliche Gesichter merken.

00:05:15: Und wenn sie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, dann können die auch wirklich so längerfristig so eine Art Grollhägen.

00:05:20: Also sie sind nachtragend.

00:05:23: Aber das so am Rand, also keine Sorge, in meinem Fall geht es nicht um Kränen, aber Krän-Winkel heißt halt ein Ort.

00:05:29: Die haben ein Wappen mit einer Krähe und kleiner Funfact, Bill und Tom Kaulitz von Tokio Hotel.

00:05:35: Die waren da mal in einem Kindergarten, bevor sie dann nach Magdeburg gezogen sind.

00:05:39: Ach,

00:05:39: deshalb auch Tokio Hotel.

00:05:40: Das hast du auch angeteased, jetzt verstehst du.

00:05:43: Und das mit den Kränen, das finde ich ganz witzig.

00:05:45: bei uns im Park, ist nämlich auch ganz viel der Kränen.

00:05:48: Und es gibt einige ältere Frauen oder ein, zwei ältere Frauen, die jeden Tag so mit kleinen Krümmeln kommen, so Brotkrumm und die Kränen füttern.

00:05:56: Und die sind wirklich wie treue Hündchen, die warten dann schon die Kränen und warten auf diese eine Person, dass sie sie füttert.

00:06:03: Also

00:06:03: die haben sich das Gesicht gemerkt.

00:06:06: Ja, spannend.

00:06:07: Na ja, auf jeden Fall, der Fall gleich ist super spannend.

00:06:09: Ich werde ihn gleich erzählen.

00:06:11: Aber bevor wir loslegen, hast du ja noch eine Hänkers Mahlzeit.

00:06:16: Kein Nachschlag.

00:06:20: Und da ich ja wusste, dass wir über einen Fall in Hannover sprechen, habe ich eine Hänkers Mahlzeit außer Hannover mitgebracht.

00:06:26: Da geht kein Weg an Fritz Harmann vorbei.

00:06:29: Immerhin wurde der ja vor hundert Jahren, also nineteenhundertundzwanzig, hingerichtet.

00:06:34: Und ich habe es ja jetzt schon sehr häufig erzählt, dass ich eine Verbindung zu Fritz Harmann habe, weil meine Oma mir ja immer diesen Song von Hannovers Massenmörder Nummer eins vorgesungen hat, mit seinem Hackebeilchen.

00:06:44: Wir können ja nochmal reinhören, würde ich sagen.

00:06:47: Warte, warte in nur ein Weichen.

00:06:51: Bald kommt Harman auch zu dir.

00:06:55: Mit dem kleinen Hackebeigen macht er hart der Fleisch aus dir.

00:07:04: Aus den Augen macht er Süße.

00:07:08: Aus den Blinden macht er Stecken.

00:07:12: Aus den Gärmen dreht er Würsten.

00:07:20: Also der sogenannte Wer-Wolf von Hannover, der ermordete ja vierundzwanzig junge Männer auf bestialische Art und Weise.

00:07:27: Er hat seinen Opfer zerstückelt und dann in die Leine geworfen, Gerüchten zufolge, das Fleisch dann teilweise auf dem Markt verkauft oder sogar in Würsten verarbeitet und die soll er dann gegessen haben.

00:07:40: Aber das ist nicht belegt.

00:07:43: Jedenfalls soll er sich explizit gewünscht haben durch das Beil.

00:07:46: zu sterben.

00:07:47: Das passierte dann auch am fünftzehnten April, nineteenhundert und zwanzig.

00:07:52: Da wurde er dann nämlich enthauptet.

00:07:55: Und was die Hänkers Mahlzeit angeht, gibt es unterschiedliche Berichte.

00:07:58: Zum einen heißt es, er habe sich Würstchen gewünscht.

00:08:01: Dieser Wunsch sei aber abgelehnt worden.

00:08:04: Beziehungsweise soll es zu Makabe befunden worden sein.

00:08:07: Eben wegen dieser Berichte, er habe das Fleisch seiner Opfer ein Wurst verarbeitet.

00:08:12: Vor allem in englischsprachigen Berichten ist davon die Rede.

00:08:15: Harman habe sich nur Kaffee und eine Zigarre gewünscht.

00:08:18: Dafür gibt es aber keine historisch belegten Quellen.

00:08:21: Und wie der andere behaupten, die Henkers Mahlzeit habe schlicht aus harzer Käse bestanden.

00:08:26: Aber gesichert ist das nicht.

00:08:28: Es gibt darüber nämlich keine Protokolle.

00:08:31: Und in der Zeit war es ja auch kein ritualisiertes Recht, dass man überhaupt eine Henkers Mahlzeit bekam.

00:08:37: Da gab es oft einfach das normale Gefängnisessen.

00:08:40: Das wiederum spricht er für den Harzer Käse, denn der Past, also Harzer Käse, ist typisch Norddeutsch, war billig, mager und lange haltbar und gehörte zur Gefängniskost.

00:08:50: Sprich, das Harzer Käse im Gefängnis vorhanden war, ist historisch plausibel.

00:08:55: Das haben wir den wirklich als letzte Mahlzeit bekam, allerdings nicht belegt.

00:08:59: Hm, auf jeden Fall interessant.

00:09:01: Mir würde das gefallen.

00:09:02: Ich bin ja ein Fan von Harzer Käse.

00:09:05: Und war's gut, ne?

00:09:05: Ist

00:09:06: auch eine gute Proteinquelle übrigens für alle, die ein bisschen auf Protein setzen wollen.

00:09:10: Also auf jeden Fall interessant.

00:09:12: Ja, bevor wir jetzt zu meinem Fall kommen, falls ihr uns noch nicht abonniert habt, macht das gerne.

00:09:16: Wo auch immer ihr uns hört, Spotify, Apple, Amazon, dann verpasst ihr auch keine Folge und lasst uns auch gerne eine Bewertung da.

00:09:23: Ja, da freuen wir uns auf jeden Fall immer und ihr könnt uns natürlich auch folgen auf sistersandcrime.podcast.

00:09:29: Schaut auch gerne mal bei unserem WhatsApp-Kanal vorbei.

00:09:32: Den Link dazu findet ihr bei uns in den Highlights in der Story auf der Instagram-Seite.

00:09:38: So, aber jetzt will ich deine Geschichte hören.

00:09:39: Also deine Familiengeschichte mit Tofu-Hotel und alles zusammen.

00:09:49: Ja, wir sind nur etwa zwanzig Kilometer von Hannover entfernt am Mittelland-Kanal in der Nähe eines kleinen Örtjens bei Silze.

00:09:57: Der Mittellandkanal durchquert ja Norddeutschland von Westen nach Osten und ist mit dreihundertundzwanzig Kilometern die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands.

00:10:07: Der Kanal ist auch ziemlich wichtig, denn er verbindet den Rhein mit der Elbe und der Havel.

00:10:13: Und an einer flachen Stelle, im Dezember nineteenhundertsechsundfünfzig, wird dort ein Mensch im Wasser gefunden.

00:10:20: Die Beine eines Toten ragen aus dem Wasser heraus, sodass die Leiche schnell entdeckt wird von zwei Hafenarbeitern.

00:10:28: Die ziehen diesen Fund aus dem Wasser.

00:10:31: Da liegt ein Mann, eingewickelt in eine Decke, auf dem Rücken ein aufgeschlitztes Reserverat gebunden, gefüllt mit Kies.

00:10:39: Okay, also ertrunken ist derjenige vermutlich nicht, sondern ich könnte mir vorstellen, das war ein Mord und jemand wollte die Leiche beschweren, um sie verschwinden zu lassen.

00:10:50: Ja, so sieht es aus.

00:10:51: Das hat dann allerdings nicht sonderlich gut geklappt, weil sie ist ja wieder aufgetaucht.

00:10:55: Und ich finde es ja total interessant, dass eigentlich immer wieder Leichen in Flüssen gefunden wurden, was ja irgendwie nicht gerade dafür spricht, dass das eine perfekte Möglichkeit ist, eine Leiche verschwinden zu lassen, wenn sie immer wieder auftauchen und gefunden werden.

00:11:08: Und das sagt auch unser Rechtsmediziner Thomas Kamphausen.

00:11:12: Leichen in Gewässern zu entsorgen ist keine so super gute Idee.

00:11:15: Meistens werden die dann irgendwie eingepackt oder beschwert.

00:11:18: Das ist ausgesprochen schwierig, die so derart zu beschweren, dass die sich entwickelnden Vollnisgase nicht zu einem so großen Auftrieb führen, dass die Leiche dann auftaucht.

00:11:26: Häufig ist es so, dass die irgendwann wieder aufschwimmen.

00:11:30: Man muss sie schon sehr, sehr gut verpacken und sehr gut beschweren, dass das nicht passiert.

00:11:34: Und die einfach irgendwie eine Leiche in einen Fluss zu entsorgen und zu hoffen, dass das nicht irgendwie auffällt ist.

00:11:39: sehr, sehr kurz gedacht, dass wird in der Regel nicht funktionieren.

00:11:43: Herr Spätensen mit Entwicklung von Vollniskasen wird die Leiche dann auftreiben und wird an die Wasseroberfläche wiederkommen.

00:11:49: Ja genau, und das ist ja auch passiert.

00:11:51: Da kam der Tote auch recht schnell wieder nach oben, trotz des mit kiesgefüllten Reserverats.

00:11:57: Und warum das so ist, das hat uns Thomas auch noch mal im Detail erklärt.

00:12:01: Ja, nach dem Tod treten sehr rasch Veränderungen des Körpers auf, die halt mit der Zersetzung des Körpers einhergehen.

00:12:08: Das ist zum einen Folge körpereigener Enzyme, vereinfacht gesagt, körpereigener Verdauungsefte.

00:12:14: Kleiner Lifehack, das ist genau das, was man auch als Fleischreifung bei Metzger bezeichnet.

00:12:18: Darum muss Fleisch abhängen, damit die Totenstarre aus dem Muskel rausgeht und damit halt durch diese Autolüse, Köche und Metzger nenn das dann Fermentation, die Muskulatur wieder weichgeschmeidig und letztendlich überhaupt genießbar wird.

00:12:30: Das sind die körpereigenden Prozesse, die schon zur Zersetzung eines Körpers führen.

00:12:34: Und durch Bakterien, das sind all die kleinen Bakterien, die auf unserer Haut sich rumtummeln, die aber auch vor allen Dingen im Verdankstrakt, im Darm sind, also die Fekalbakterien, kommen bis zur Vollnis.

00:12:45: Dabei handelt es sich um anaerobeprozesse, die zu einer Zersetzung des Körpers und zu einer Parflüssigung führen und das Ganze dann unter Gasbildung.

00:12:54: Und naja, wenn sich dann Gas bildet, wenn also dann im Prinzip unsere Gewebe umgesetzt werden mit Flüssigkeit und den Gas, dann hat man einen entsprechenden Auftrieb, dass es halt nichts anderes im Prinzip wie so ein Heliumballon, der auch entsprechend aufsteigt.

00:13:07: Ja, und so ist dieser Mann hier auch wieder aufgestiegen.

00:13:10: Die Polizei, die untersucht jetzt den Fundort, findet Reifenspuren und geht daher davon aus, dass die Leiche mit einem Auto an den Kanal gebracht und erst dann versenkt worden ist.

00:13:20: Und kann die Polizei erkennen, wie er getötet wurde?

00:13:24: Ja, das ist recht schnell zu sehen.

00:13:25: Der Mann wurde erschossen.

00:13:27: Und dass das auch die Todesursache war, das bestätigt die Obduktion.

00:13:31: Auch wenn die technischen Möglichkeiten damals ja noch nicht ganz so weit waren wie heute, konnte man die Leiche schon ganz gut untersuchen, sagt Thomas.

00:13:38: Die Untersuchung der Leiche wiederum dürfte in den fünftiger Jahren rein technisch gesehen genauso möglich gewesen sein wie heute auch.

00:13:45: Das heißt, man könnte bei hochgradig vollndesfeinerten Leichen mit Verdacht auf ein Tötungsdelikt und dann ausgerechnet auch noch bei Leichen aus dem Wasser.

00:13:54: Röntgenuntersuchungen machen, das heißt einfach durch Leuchtung um zu schauen ob knöchelne Verletzungen vorliegen.

00:13:59: Das würde man heute nämlich noch genauso machen.

00:14:01: Heute würde man sich sicherlich das CTs bedienen, aber ein ganz normales Röntgen wäre da schon sehr hilfreich, weil wir wissen, dass in den aller allermeisten Fällen von Tötungsdelikten, knöchelne Verletzungen vorliegen, könnte man sicher auch schon.

00:14:13: Dann würde man optozieren und die Obduktionstechnik selber, die ist auch schon seit der vorletzten Jahrhundertwende so bekannt und etabliert.

00:14:20: Das heißt, wenn man dort entsprechend kleinschrittlich vorgeht, wäre da sicherlich kein Unterschied zu erwarten.

00:14:26: Das Einzige ist halt, dass die Spurenuntersuchungen und die Rekonstruktion, insbesondere die Visualisierung unter der Rekonstruktion, heute viel viel fortschrittlicher wären.

00:14:34: Allerdings erst mal wissen die Beamten nicht, um wen es sich handelt und was passiert ist.

00:14:39: Vor allem wissen sie eben nicht, wo der Tatort ist.

00:14:43: Allerdings wird ein paar Tage später ein Wagen gefunden im Wald.

00:14:47: Abseits von Straßen und Wegen, was dafür spricht, dass der mutmaßliche Täter sich in der Ging ausgekannt haben muss.

00:14:54: Also das Auto steht über zwanzig Kilometer vom Fundort entfernt und es sieht so aus, als hätte das Opfer am Steuer gesessen und der Täter hinten.

00:15:04: Denn es gibt Schussspuren, Notflecken im Auto, eine Tür ist offen, der Schlüssel steckt, im Wagen liegen noch ein Mantel, ein Notizbuch und die Ermittler finden auch ein blondes Haar.

00:15:17: Und das Auto gehörte dem Opfer?

00:15:19: Ja, tatsächlich.

00:15:20: Und so finden die Ermittler auch heraus, um wen es sich handelt.

00:15:24: Es ist Heinrich Big, ein neunundzwanzigjähriger Mann und Leiter einer landwirtschaftlichen Absatzgenossenschaft, der eben aus diesem Örtchen meiner Großeltern kommt, einem ganz kleinen Dorf im Deister.

00:15:37: Dort lebte Heinrich ganz solide, mit seiner Ehefrau, einem kleinen Sohn, der gerade mal ein Jahr alt war, als sein Vater ermordet wird.

00:15:46: Ach, und das ist jetzt der Junge, mit dem dein Onkel später zur Schule gegangen ist?

00:15:50: Ja, ganz genau.

00:15:51: Jedenfalls ermitteln die Beamten jetzt erst mal im Umfeld, sprechen mit dem Vater des Toten und auch mit der Ehefrau.

00:15:57: Weil da Jan Blondes Haar gefunden wurde, die Ehefrau aber dunkler Haare hat.

00:16:02: Schlussfolgern, die ermittler, dass Heinrich wohl andere Frauen mitgenommen haben muss.

00:16:07: Der Vater, der will sich das aber gar nicht vorstellen und sagt, sein Sohn hätte niemals fremde Frauen mitgenommen.

00:16:12: Er müsse sie also zumindest gekannt haben.

00:16:15: Ja, und die Ehefrau, die berichtet, dass ihr Mann mit anderen Frauen nichts am Hut gehabt habe, seit er verheiratet war.

00:16:22: Er habe sich gar nichts aus anderen Frauen gemacht und auch keine Seitensprünge gehabt.

00:16:27: Er sei aber durch den Beruf ziemlich viel unterwegs gewesen, häufig eben auch alleine in Hannover und auch mal weiter weg.

00:16:33: Und da kam es dann schon auch mal vor, dass er sich so ein paar Tage nicht gemeldet hat.

00:16:38: Und hat er wirklich nichts mit anderen Frauen, weiß man das?

00:16:41: Offiziell galt der Mann als wirklich strebsamer, fleißiger Kaufmann als vorbildlicher Familienvater.

00:16:48: Inoffiziell hatte er wohl einen Hang zu prostituierten und hat sich dann wohl öfter im entsprechenden Viertel in Hannover sehen lassen und soll auch ganz gerne für die Großbauern im Umland ein paar, also wie man damals sagte, Lustbarkeitsveranstaltungen betrieben haben.

00:17:06: Lustbarkeitsveranstaltung klingt aber auch gut.

00:17:08: Und das war sicher nicht das, was die Familie über den eigenen Mann, den Sohn, den Vater dann rausfinden wollte.

00:17:15: Nee, ganz und gar nicht.

00:17:15: Das war natürlich ein riesen Gesprächsthema.

00:17:17: Kannst du dir vorstellen, auch viel später noch.

00:17:20: Und ich habe mit meinem Onkel Hartmut darüber neulich mal gesprochen.

00:17:23: Also der Sohn des Toten Heinz, der war ja erst etwa ein Jahr alt, als sein Vater gestorben ist.

00:17:29: Und mein Onkel hat den dann auch erst in der Schule kennengelernt, aber auch viele Jahre war das immer wieder Thema und das hat er mir erzählt.

00:17:46: Und der Bruder hieß ja Anders.

00:18:01: Und dann haben wir uns gefragt, wieso heißt der Anders?

00:18:04: Das wollten wir natürlich rauskriegen.

00:18:06: Unsere Eltern haben uns das dann erzählt, wie das wohl passiert ist, dass die den irgendwie wohl in so gewissen, anröchigen Kreisen in Hannover ... dass sie dann praktisch den im Mittellandkanal versenkt haben.

00:18:22: Das war natürlich für das kleine Dorf eine riesige Geschichte, aber das haben wir so gar nicht mitgekriegt.

00:18:29: Da haben unsere Eltern zwar so drüber gesprochen, aber nicht so mit uns Kindern.

00:18:35: Wenn man nachgefragt hat, woran ist der gestorben, der wurde ermordet.

00:18:39: Das war natürlich für uns auch interessant.

00:18:42: Dann wollten wir natürlich auch wissen, ja, wie ist denn der ermordet worden?

00:18:45: Ja, wahrscheinlich erschossen und dann mit dem Autoreifen umheiß im Mittellandkanal.

00:18:50: Und der Mittellandkanal ist ja praktisch da, wo wir zur Schule gegangen sind, in Bad Nendorf, da hinten Haste, Wunsdorf, da fließt ja dieser Mittellandkanal an.

00:18:59: Deswegen wussten wir schon, das war für uns schon eine grausige Vorstellung.

00:19:02: Gott, das kann ich mir vorstellen.

00:19:04: Ich finde das immer so krass, wenn Morde dann ganz in der Nähe, also in der Nachbarschaft quasi stattfinden, das rückt dann plötzlich noch mal so viel näher und fühlt sich dann auch noch mal ganz anders an.

00:19:13: Ja, man bekommt ja auch irgendwie einen anderen Einblick dann, vor allem wenn man da mit Leuten reden kann, die da sozusagen was Persönliches zu erzählen können.

00:19:20: Und ich habe meinen Onkel auch noch mal gefragt, was er über diese Familie eigentlich genau wusste.

00:19:24: Rechtschaffende Leute, der ermordete, der war der Vorsitzende von der landwirtschaftlichen Berufs- und Absatzgenossenschaft.

00:19:33: Und der war also hoch angesehen im Dorf und in der Stadt.

00:19:37: Ich weiß jetzt nicht, ob Heinz irgendwie ... Dadurch traumatisiert, das war ein ganz normaler Junge.

00:19:43: Aber das macht ja irgendwas mit den Leuten.

00:19:45: Wenn ich mir vorstelle, wenn mein Vater ermordet wird oder so was, dann frag ich mich auch, wie ist es dazu gekommen?

00:19:51: Warum haben die den ermordet?

00:19:53: Wie ist denn diese Kreise gekommen?

00:19:55: Wie hat er diese Leute kennengelernt, die also Waffen besitzen und jemanden töten können?

00:20:01: Wie ist denn diese Kreise gekommen?

00:20:03: Obwohl er eigentlich der angesehenste ... von allen Bauern und Landwirten angesehenster Geschäftsführer von der LBAG war.

00:20:11: Wie das auf dem Dorf so ist, man spricht zwar darüber, aber die wirkliche Wahrheit war, hat man ja nicht erfahren.

00:20:19: Von gerade wurde nicht drüber gesprochen.

00:20:21: Das ist aber auch so typisch.

00:20:23: Da wird dann einfach alles unter den Teppich gekehrt und nicht weiter drüber gesprochen.

00:20:27: Und ich kann mir auch vorstellen, wenn du ein Kind bist und dann sowas erfährst, wenn es jetzt vielleicht nicht dein eigener Vater ist, sondern jetzt wie für dein Onkel Hartmut, dass das total spannend ist.

00:20:35: Also

00:20:35: total, du willst ja wissen, was ist da passiert?

00:20:37: Was waren die Hintergründe?

00:20:39: Warum war das so?

00:20:40: Das finden wir ja schon als Erwachsene interessant.

00:20:43: Aber können das vielleicht noch sachlich einordnen?

00:20:45: Aber wenn du als Kind dann so eine Horror Story hörst, also ich glaube, das muss ihn sehr bewegt haben.

00:20:50: Aber wie geht es denn jetzt weiter?

00:20:51: Also wird er ermittelt?

00:20:52: Also würde der Täter gefunden?

00:20:55: Ja, irgendwann schon.

00:20:56: Aber zum damaligen Zeitpunkt, da tappen die Ermittler natürlich erstmal total im Dunkeln.

00:21:00: Sie gehen noch einigen Spuren nach.

00:21:02: Sie haben zum Beispiel seinen Notizbuch.

00:21:04: Sie sprechen mit den Frauen.

00:21:06: deren Telefonnummern da in diesem Notizbuch stehen.

00:21:08: Sie klappern auch das prostituierten Milieu ab, sprechen einfach mit vielen Leuten, bekommen auch ohne Ende Hinweise, aber nichts führt zu einer heißen Spur.

00:21:17: Und dann wird wieder ein Lehrer abgestellter Wagen in einem Wald gefunden.

00:21:23: Und dieser Wagen gehört einem Hamburger Handelsvertreter, der schon seit ein paar Tagen vermisst gemeldet ist.

00:21:29: Ein Heinz Engels.

00:21:31: Und an seinem Wagen gibt es ähnliche Spuren wie auch schon an dem Wagen von Heinrich.

00:21:35: Die Windschutzscheibe wurde von einer Kugel durchschossen und auf den Polstern sind wieder Blutflecke.

00:21:41: Okay, das sind jetzt schon einige Parallelen.

00:21:43: Das heißt, die Beamten gehen davon aus, dass es sich wieder vielleicht um den gleichen Täter handeln könnte.

00:21:49: Ja, ganz genau.

00:21:50: Allerdings fehlt ja in diesem Fall noch eine Leiche.

00:21:52: Also sie haben ja bislang nur den Wagen gefunden.

00:21:54: Aber die Ermittler finden heraus, dass auch Heinz Engels gerne in Hannover auf Dienstreise war.

00:22:01: und sich dort mit Prostituierten amüsiert hat.

00:22:04: Die Polizei gründet jetzt eine Sonderkommission, geht hunderten Spuren nach, aber nix.

00:22:10: Erst acht Monate später wird eine Leiche gefunden, und zwar auch wieder in der Nähe des Kanals.

00:22:16: Ach krass, acht Monate später ist ja auch eine lange Zeit.

00:22:19: Also, komisch, dass es keinem aufgefallen ist.

00:22:22: Ich würde mir vorstellen, wenn da irgendwo eine Leiche liegt, das fällt doch jemandem auf, dass er darüber stolpert oder dass da Hundes findet oder so.

00:22:29: Aber klar, wenn die jetzt vergaben ist, die Leiche oder im tiefen Wald liegt, dann findet man sie wahrscheinlich nicht sofort.

00:22:35: Aber in der Nähe eines Kanals, in der Nähe der Stadt, müssten noch eigentlich viele Leute unterwegs gewesen sein, zum Spazierengehen zum Beispiel.

00:22:43: Ja, total.

00:22:43: Und die Leiche war eben nicht vergaben, sondern die lag tatsächlich einfach nur im Gebüsch.

00:22:47: Und weil du es gerade angesprochen hast mit den Spaziergängern und den Hunden, also es kommt tatsächlich häufig vor, dass Spaziergänger über Leichen stolpern, vor allem wenn sie Hunde dabei haben, sagt Thomas.

00:22:58: Es ist wirklich so, dass die Hunde von irgendwelchen Passanten beim Gassige in Leichen finden, hatte ich erst mal im letzten Jahr einen Fall.

00:23:04: vermisste Person nach über einem Jahr oder nach einem knappen Jahr aufgefunden worden, weil der Waldi beim Gassi-Gehen plötzlich angeschlagen hat und dann die Leiche gefunden hat.

00:23:12: Klar, die haben ein etwas besseres Geruchsorgan als wir Menschen, ein vielfach besseres.

00:23:17: Wenn ich da so an meinen Dackel man denke, was der mit seiner Nase so alles kann, so als ausgebildeter Blutspurenmuster, Analyse-Dackel, das ist schon sehr, sehr erstaunlich.

00:23:25: Und da ist es wirklich so, dass Leute beim Spazieren gehen, durch den Hund auf die Leiche stoßen.

00:23:30: Ja gut, dass uns das noch nicht passiert ist.

00:23:32: Also auch wenn ich immer sage, ich hätte gerne einen Hund, der kriminalistisch

00:23:35: begabt ist.

00:23:36: Eine Leiche finden müsste ich jetzt nicht, aber ehrlich gesagt, Fred geht auch nicht groß vom Weg ab.

00:23:40: Fritzi?

00:23:41: Fritzi schon, allerdings nur, wenn es da irgendwie eine Wurstsämmel in der Ecke gibt.

00:23:45: Ich weiß jetzt nicht, ob er eine Leiche erspüren würde.

00:23:48: Er bleibt lieber bei mir und ist eher der Röge, wie wir gerade hier sehen.

00:23:52: Also nur nochmal kurz zur Info, falls ihr irgendeinen Schnarchgeräusch hört.

00:23:55: Ich bin während Julis Geschichte nicht zufällig eingeschlafen, sondern das ist Fritzi.

00:23:59: Aber er ist jetzt nicht so der Spühhund, der da jagt.

00:24:01: Ich glaube, da ist die Gefahr, dass wir über eine Leiche stolpern.

00:24:04: Nicht so groß.

00:24:06: In diesem Fall ist es auch kein Hund, der die Leiche findet, sondern ein Mensch.

00:24:09: Und jetzt gibt es eben zwei Leichen, aber keinen Täter.

00:24:13: Die Sonderkommission arbeitet auf Hochtouren, ermittelt noch mal im prostituierten Milieu.

00:24:18: Sie befragen die Mädchen und Frauen dort, bekommen auch noch mal bestätigt, dass die beiden Männer dort häufig unterwegs waren.

00:24:25: und auch, dass der erste Tote auf jeden Fall aus einem Auto heraus angesprochen worden war.

00:24:31: Die Frage ist nur, wer saß denn in diesem Auto?

00:24:34: Das kann einfach niemand beantworten.

00:24:36: Die Polizei ist völlig ratlos, trotz der vielen Hinweise aus der Bevölkerung und auch der vielen Spuren.

00:24:42: Ja und jetzt kann eigentlich nur noch der Zufall helfen.

00:24:45: und so kommt es dann auch.

00:24:48: Unterdessen wird nämlich in einem völlig anderen Zusammenhang ein Mann festgenommen wegen anderer Gaunereien, Diebstahl und so weiter, ein gewisser Gerhard Pop.

00:24:57: Und so landet der im Gefängnis.

00:24:59: Und hinter Gittern freundet der sich schnell mit Insassen an und ein bisschen zu gut ehrlich gesagt, nämlich so gut, dass er einem von ihnen einiges an Informationen zusteckt.

00:25:09: Denn die beiden plaudern da über alles Mögliche und auch über die Morde an den beiden Männern.

00:25:14: Das stand ja auch schon in der Presse.

00:25:16: Und Gerhard lässt nun durchblicken, dass er mehr über die Morde weiß, als er eigentlich wissen kann.

00:25:21: Stichwort Insider-Wissen und so.

00:25:23: Er prallt regelrecht.

00:25:25: Was er aber nicht wusste, dass der andere Insasse, um sich die Zeit im Gefängnis etwas zu verbessern, regelmäßig für die Gefängnisleitung gespitzt hat.

00:25:34: Tja, und so erzählt der dann auch direkt weiter, dass Gerhard Popp was mit diesen Morden zu tun haben muss.

00:25:40: Der bestreitet aber natürlich alles und die Polizei hat keine Beweise.

00:25:44: Aber die Beamten finden schnell heraus, wer seine Freundin ist, eine Inge Marchlowitz.

00:25:50: Und die wird nun befragt und die gibt dann super schnell zu, ich war das, ich hab die beiden Männer erschossen.

00:25:57: Erstens, warum sagt sie das?

00:25:58: Zweitens, stimmt das?

00:26:00: Ja, ist die Frage, ob die Beamten das auch glauben, ne?

00:26:02: Also, die können sich nämlich beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieses junge Mädchen, also Inge ist zu dem Zeitpunkt erst siebzehn Jahre alt, also noch minderjährig, wirklich zwei Morde begangen haben soll.

00:26:14: Aber Inge, die beharrt auf ihrer Schuld, die Polizisten befragen sie weiter, wollen dann auch genau wissen, wie die Taten abgelaufen sein sollen, um eben zu vergleichen, ob Inges Informationen wirklich mit der Situation am Tatort zusammenpassen.

00:26:27: Immerhin haben sie ja die beiden Wagen, in denen die Schüsse stattgefunden haben und können dann anhand der Einschusslöcher auch rekonstruieren, wie die Tat abgelaufen sein muss.

00:26:36: Und das erklärt uns Thomas auch noch mal.

00:26:38: Bei Schussabgaben in einem Auto kann man Kriminaltechnisch, durch verschiedene Chemikalien versuchen, die Schmauchspurenverteilung sichtbar zu machen.

00:26:47: Und wenn man dann weiß, mit welcher Waffen Munitionskombination geschossen wurde, man muss also wissen, was das für eine Schusswaffe war und wie die entsprechend Schmauch auch verteilt bei Schussabgabe, dann kann man sich überlegen, ob man aus dieser Schmauchverteilung die Position des Schützen rekonstruieren kann.

00:27:03: Zur Schusswinkelbestimmung muss man natürlich in irgendeiner Form ein Schusskanal haben.

00:27:08: am besten ein Durchschuss, ein und Ausschuss oder auch den Einschuss, den Einschlag eines Projektils irgendwo in einer Fahrzeugstruktur, Sitzpolster, Rückenlehne, Amatogenbrette, um die Flugbahn rekonstruieren zu können.

00:27:21: Wenn man dann die Verletzungen an der B-Schossene Person sich anschaut, kann man möglicherweise die Körperhaltung auch im Kraftfahrzeug rekonstruieren zusammen mit einer Blutpurenmusterverteilung.

00:27:31: Das ist natürlich relativ schwierig und hängt von ganz, ganz vielen Faktoren ab.

00:27:34: Der Versuch ist aber durchaus sinnvoll.

00:27:36: Ob jemand von hinten oder von der Seite und von welcher Seite beschossen bzw.

00:27:40: erschossen wurde, ist ja eine der Hauptlaufgaben der Rechtsmedizin.

00:27:43: Und das ging auch schon, neunzehntonzechsten, fünfzig.

00:27:45: Tja, aber hat Inge jetzt wirklich geschossen?

00:27:47: Also die Beamten, die können das einfach nicht glauben.

00:27:50: Wer

00:27:50: ist diese Inge dann eigentlich?

00:27:52: Ja, da kommen wir jetzt wieder zurück zum Anfang, zur Gemeinde Kränwinkel.

00:27:56: Das ist ein Ortsteil von Langhagen, der nördlich von Hannover liegt.

00:28:01: In der Nähe habe ich übrigens auch einen Teil meiner Jugend verbracht.

00:28:04: Ich hatte nämlich ein Pferd und das stand da in der Nähe in Isernhagen.

00:28:07: Das liegt neben Langenhagen.

00:28:09: Gehört also alles so zum Umland von Hannover.

00:28:11: Und damals, während andere Städte in der sogenannten Wirtschaftswunderzeit boomen, weil Westdeutschland gerade ein Aufschwung erlebt profitieren, so kleine Randgebiete wie Crenwinkel.

00:28:21: Es ist dann eher weniger.

00:28:23: Krenwinkel besteht aus einer schmalen Dorfstraße und klein ein Familienhäusern.

00:28:28: Es gibt eine Grundschule, eine Dorfgemeinschaft und eine freiwillige Feuerwehr, wie man das so kennt.

00:28:32: Und das ist auch der Ort, an dem Bill und Tom Kaulitz ein Teil ihrer Kindheit verbracht haben.

00:28:38: Ja, tatsächlich.

00:28:39: Das erzählen Sie zumindest in Ihrem Podcast bei Kaulitz Hills.

00:28:42: Und das war ganz witzig, weil ich habe dann so ein bisschen geguckt bei TikTok.

00:28:45: Da gab es einige Videos von Leuten, die da in Crenwinkel wohnen oder da Familie haben und eine so eine TikTokerin, die zeigt dann, wie sie da so durch Cren Winkel läuft und erzählt, dass Bill und Tom genau da gelebt haben müssen und dass sie halt findet, man sollte den beiden da einen Denkmal errichten.

00:29:00: Und sie zeigt dann auch ein Haus, in dem die beiden ... gewohnt haben könnten, das ist heute irgendwie knallrot.

00:29:06: und dann sagt sie noch so, hey, das passt doch zu Bill.

00:29:08: Ja,

00:29:08: geil.

00:29:10: Ja, und da gibt es eben auch diesen Kindergarten, in dem die beiden gewesen sein sollen.

00:29:14: Also angeblich gingen sie nämlich, in die Gruppe, Rumpelstil ziehen, bis sie dann nach Magdeburg gezogen sind.

00:29:22: Ach,

00:29:22: nett.

00:29:22: Aber wer hätte gedacht, dass Tom und Bill mal in unserem True Crime Podcast vorkommen, also hätte ich nicht mit gerechnet und die beiden haben wahrscheinlich selbst auch nicht geahnt.

00:29:32: dass da vor einer gewissen Zeit eine mutmaßliche Börderin unterwegs war.

00:29:36: Naja,

00:29:36: definitiv nicht.

00:29:37: Das war ja dann auch später, aber immerhin.

00:29:39: Ja, in Crenwinkel jedenfalls gibt es zu der Zeit keine großen Industrieanlagen.

00:29:43: Deshalb gibt es in dem Ort auch nicht viele Arbeitsplätze.

00:29:46: Daher pendeln viele Erwachsene, aber auch einige Jugendliche nach der Schule nach Hannover, um da dann in den Fabriken so als Aushilfen zu arbeiten.

00:29:54: Und im Frühjahr, in den letzten Jahren wird in Hannover ein Mädchen geboren, eben Inge Marcilowitz.

00:30:00: Ihre Eltern sind mit ihr so ein bisschen überfordert.

00:30:03: Der Vater ist ein gewalttätiger Gelegenheitstieb und die Mutter, die verkauft die gestohlene Ware dann oft weiter.

00:30:09: Die Familie lebt teilweise in Armut.

00:30:11: Ihr winziges Haus hat kein Licht, kein Gas, kein fließendes Wasser.

00:30:16: Und im Wohnzimmer, da stehen zwei Sofas und ein kleiner Rundertisch, aber alles ist irgendwie ziemlich heruntergekommen.

00:30:22: Und unter diesen Bedingungen wächst die kleine Inge auf und muss sich dann auch schon sehr früh um sich selber kümmern, also beginnt sie zum Beispiel auch zu stehlen.

00:30:30: Und fängt sie damit von sich aus an oder zwingt ihre Eltern sie dazu?

00:30:34: Naja Inge begleitet den Vater halt immer wieder auf seine Diebestouren und hilft ihm dann auch, leichte Beuteorte auszuspänen.

00:30:42: Ob er sie jetzt wirklich gezwungen hat, ist nicht ganz klar.

00:30:45: Allerdings fühlt sich Inge generell von ihren Eltern vernachlässigt und auch wegwerfend behandelt.

00:30:50: Und deshalb könnte es natürlich auch so ein Weg sein, Nähe zu ihrem Vater aufzubauen.

00:30:54: Das kennt man ja, ne?

00:30:55: Ist man wie mit Gewalt, wenn dann Menschen Schläger als Nähe empfinden oder so, ist ja so ein ganz, ganz Klassisches Vorgehen.

00:31:02: Ja, auch ihr Bruder muss regelmäßig mit dem Vater auf die Bistour gehen.

00:31:06: Also, man kann schon sagen, die beiden Kinder werden quasi als Verbrecher erzogen.

00:31:11: Also es ist ja keine schöne Kindheit und eigentlich kann sie auch nicht gut gehen.

00:31:13: Normalerweise sollte man natürlich in der Kindheit Grundwerte lernen.

00:31:17: Also was ist richtig und was ist falsch?

00:31:19: und klauen ist auf jeden Fall nicht richtig.

00:31:22: Und warum sollte das dann im erwachsenen Leben anders sein?

00:31:24: Also da ist ja die kriminelle Karriere eigentlich schon vorprogrammiert.

00:31:29: Ja, das habe ich auch gedacht oder habe darüber nachgedacht und unser Psychologe Christian Lütke sagt folgendes dazu.

00:31:34: Wenn Kinder in einer kriminellen Familie aufwachsen, dann wird das nicht automatisch zu einer eigenen kriminellen Karriere.

00:31:43: Aber das Risiko dafür ist deutlich erhöht.

00:31:46: Entscheidend ist, ob solche Kinder sichere Bindungen haben, ob sie zur Schule gehen.

00:31:52: Die Gruppe der Gleichaltrigen spielt als Gegenwelt eine ganz wichtige Rolle.

00:31:58: Wenn es dann noch stabile Erwachsene gibt, die Grenzen und Schutz bieten, dann muss es nicht zwangsläufig zu einer kriminellen Entwicklungen kommen.

00:32:06: Man kann sich das wie eine Wahrscheinlichkeitskurve vorstellen.

00:32:09: Gewalt, Vernachlässigung, Sucht, Armut, Kriminalität im Umfeld erhöhen das Risiko über Lernmechanismen, Normalisierung und Überlebensstrategien.

00:32:19: Aber Schutzfaktoren, ein einziger verlässlicher Erwachsener, der stößertretend Hoffnung, Zuversicht usw.

00:32:25: vermittelt, gelingende Bindungen, soziale Einbindung, die können diese Kurve ganz massiv drehen und dann zum Positiven wenden.

00:32:32: Ja, in diesem Fall fehlen aber diese verlässlichen Erwachsenen.

00:32:35: Die sind einfach nicht da, ganz im Gegenteil.

00:32:37: In ihrem Umfeld gibt es eben nur diese kriminellen Eltern und eben auch noch eine weitere Person, die ihr Leben sehr stark beeinflusst.

00:32:45: Und das ist dieser Gerhard Pop.

00:32:47: Also der Typ, der gerade im Knast sitzt?

00:32:50: Genau.

00:32:51: Und als Inge und Gerhard sich kennenlernen, da ist Inge noch ein Kind.

00:32:55: Gerhard ist ein Bekannter von Inges Vater, der zwischenzeitlich auch bei der Familie wohnt.

00:33:00: Gerhard ist da gerade aus dem Gefängnis entlassen worden, als er den Vater von Inge kennengelernt hat.

00:33:06: Weil die beiden, die haben zusammen öfter mal Eisenbahnwaggons geknackt.

00:33:10: Und der Sohn von Gerhard, der geht mit Inge zusammen zur Schule.

00:33:14: Gerhard ist zwanzig Jahre älter als Inge.

00:33:16: Also eher so was wie ein zweiter Vater.

00:33:19: Und als sie sich kennenlernen, da ist er auch eher so eine Art Lehrer für sie.

00:33:23: Inge nennt ihn ganz gerne Onkel Edel.

00:33:26: Inge ist da gerade zwölf Jahre alt.

00:33:28: Und da schenkt Gerhard ihr immer mehr Aufmerksamkeit.

00:33:31: Er kümmert sich um das Mädchen, aber er wartet gleichzeitig auch, dass sie einige Mutproben mitmacht.

00:33:37: Aber Mutproben von einem Kind zu verlangen, klingt irgendwie auch nicht so gut.

00:33:40: Nee, wirklich nicht.

00:33:42: Und es sind ganz unterschiedliche Mutproben.

00:33:44: Zum Beispiel, das finde ich schon krass, bindet er sie fest und verlangt dann, dass sie versucht, sich zu befreien.

00:33:50: Oder er schlägt ihr mit einem Gegenstand auf ihre Fingerkuppen und für jeden Schlag, den sie aushält, bekommt sie dann einen Fennig.

00:33:58: Will er sie damit irgendwie stärker machen oder warum macht er sowas?

00:34:01: Ja, das könnte ich mir schon vorstellen, dass er so ein bisschen auch ihre Loyalität testet.

00:34:06: Also, und das sind jetzt ehrlich gesagt noch die harmloseren Mutproben gewesen.

00:34:09: Also, Onkel Ede zwingt sie auch, Zigaretten zu essen oder irgendein Gift zu trinken.

00:34:16: Und warum?

00:34:17: Naja, er will tatsächlich testen, wie weit sie bereit ist zu gehen.

00:34:20: Er will ihre Loyalität testen.

00:34:22: Also Inge ist für ihn eine Schülerin.

00:34:24: eine Untergebende und er will sie eben testen und checken, was sie für ihn machen würde.

00:34:30: Und die Antwort, die ist offensichtlich, dass sie sehr weit gehen würde, weil sonst machst du sowas nicht.

00:34:35: Und irgendwann ist er dann wohl überzeugt, dass Inge wirklich alles für ihn tun würde.

00:34:39: und die Mutproben, die hören auf.

00:34:41: Stattdessen bringt er ihr dann mit dreizehn Jahren das Schießen bei und mit vierzehn wird Inge seine Geliebte.

00:34:48: Gerhard ist zu diesem Zeitpunkt vierunddreißig.

00:34:51: Aber das muss doch damals auch schon illegal gewesen sein, oder?

00:34:54: Also eine Beziehung mit einer Minderjährigen?

00:34:56: Ja, ich habe es mal nachgeschaut.

00:34:57: Also es gibt im Strafgesetzbuch ja diesen Paragraf, der besagt, dass eine Person über einundzwanzig Jahren, die eine Person unter sechzehn Jahren missbraucht, indem sie sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder diese Zwingt sexueller Handlungen an anderen vorzunehmen, mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitstrafe bis zu drei Jahren bestraft wird.

00:35:20: Allerdings werden diese Taten nur auf Antrag verfolgt.

00:35:24: Es sei denn, dass Strafverfolgungsbehörden wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung einen Einschreiten dann für geboten hält.

00:35:31: Das heißt, wenn jetzt niemand die beiden anzeigt oder Gerhard anzeigt, wird er auch nicht

00:35:36: bestraft.

00:35:37: Genau.

00:35:38: Und das ist natürlich hart für Inge.

00:35:40: Und ich habe ja auch schon erzählt, dass sich Inge's Eltern eben nicht wirklich um ihre Tochter kümmern.

00:35:44: Und deswegen ist denen das offensichtlich auch völlig egal, dass die beiden ein Paar sind.

00:35:50: Als Inge sechzehn Jahre alt ist, wird sie von Gerhard Schwanger.

00:35:54: Und das Leben von Gerhard und Inge ändert sich im August neunzehnhundertsechsundfünfzig, denn dann wird Inge wirklich zu einer Täterin.

00:36:02: Gemeinsam mit Gerhard ist Inge im August sechsundfünfzig in Miesburg unterwegs.

00:36:08: Miesburg ist ein Stadtteil von Hannover.

00:36:10: Gerhard und Inge brechen da in eine Wohnung ein und in dieser Wohnung lebt der Leiter eines Supermarktes.

00:36:16: Die haben ausspioniert, dass er jeden Tag die Tageseinnahmen aus dem Laden mit nach Hause nimmt und so überfallen sie ihn in der eigenen Wohnung.

00:36:24: Gerhard hat eine Waffe dabei und bedroht den Supermarktleiter, damit er ihm das Geld herausgibt.

00:36:30: Der weigert sich aber, woraufhin Gerhard auf ihn und auch auf seine Frau schießt.

00:36:34: Dann flieht er gemeinsam mit Inge aus der Wohnung.

00:36:37: Also die erste gemeinsame Tat von Inge und Gerhard ist dann eher so ein Misserfolg und die beiden müssen sich eine neue Strategie überlegen, wie sie an Geld kommen können.

00:36:46: Und dafür fahren sie an einen Ort, etwa zehn Kilometer südlich von Hannover.

00:36:51: An den Ort Gronau.

00:36:52: Der ist da in der Region um Hannover recht bekannt dafür, dass es dort einen Platz gibt, an dem Prostituierte ihre Dienste anbieten.

00:37:00: Ja und auf diesem Parkplatz, da stehen Inge und Gerhard am neunzehnten Dezember neunzehnundsechsundfünfzig und Warten.

00:37:07: Gerhard hält sich etwas am Rande auf, während Inge sich ganz offensiv präsentiert.

00:37:13: Sie trägt einen langen, dunklen Wollmantel gegen die Kälte, aber ihre Beine sind nackt.

00:37:18: Ihre Haare hat sie mit einem Sturmband gebändigt und sie lächelt Schüchtern.

00:37:23: Da kommt ein Mann auf sie zu und spricht Inge an.

00:37:26: Der Mann heißt Heinrich

00:37:28: Bick.

00:37:29: Also das erste Opfer.

00:37:31: Genau, dieser Kaufmann und Familienvater mit dem Hang zu prostituierten.

00:37:35: Ja, zu dieser Zeit ist es nicht unüblich, dass Frauen auf etwas versteckteren Parkplätzen auf Freia warten oder sogar Wohnwägen dort platziert haben, in denen sie die Männer dann treffen.

00:37:46: Und jedenfalls steht Inge dort und redet mit Heinrich Big.

00:37:49: Der findet Inge wunderschön und die beiden einigen sich schnell, dass Inge mit ihm mit kommt.

00:37:55: Die hat immer noch eine Bitte an ihn.

00:37:57: Sie fragt Heinrich nämlich, ob er vorher noch schnell ihre Freundin nach Hause fahren kann und zwar nach Crenwinkel.

00:38:03: Von der Freundin haben wir jetzt aber noch nichts gehört.

00:38:05: Ja, pass auf, das ist nämlich der Clou von Inge und Gerhard.

00:38:09: Es gibt natürlich keine Freundin.

00:38:11: Beziehungsweise ist die angebliche Freundin Gerhard Pop.

00:38:14: Der ist vom Typ her ziemlich klein und zierlich und hat sich ebenfalls so einen langen dunklen Wollmantel angezogen und er trägt eine Perücke und darüber ein Kopftuch.

00:38:24: Ach, und er hat sich dann als Frau verkleidet als seine, als ihre Freundin quasi.

00:38:28: Ja, genau.

00:38:28: Ihr siehst du die beiden auch zusammen und ihr könnt euch die Fotos auch wie immer auf sistersandcrime.podcast bei Instagram angucken oder auch in unserem WhatsApp-Kanal.

00:38:37: Ja, wüsste ich nicht, dass das jetzt so ein schlimmes Verbrecherpaar ist.

00:38:41: Finde ich das eigentlich ein ganz nettes Foto.

00:38:44: Also sie sehen aus, wie du es gerade beschrieben hast.

00:38:47: Sie tragen beide lange Wollmente.

00:38:49: Inge schaut ein bisschen mürrisch in die Kamera.

00:38:51: Sie trägt ein... Stirnband oder ein Seitentuch, was sie sich um den Kopf gewickelt hat, hat dunkle Locken, hat die Arme oder die Hände vor ihrem Bauch verschränkt, also ein bisschen vielleicht um sich zu schützen.

00:39:05: Und Gerhard, der steht relativ selbstbewusster neben, man würde jetzt nicht sofort erkennen, dass er sich als Frau verkleidet hat und eigentlich ein Mann ist, also er trägt Lippenstiften, Kopftuch, hat Handschuhe, man erkennt auch seine Hände nicht.

00:39:16: Was wahrscheinlich schlau ist, weil da kann man es dann schon oft dran sehen.

00:39:20: Also gerade, wenn es jetzt ein bisschen dunkler ist, könnte ich mir vorstellen, dass ihnen das viele abnehmen.

00:39:27: Ja, das war auch der Plan der beiden, vor allem aber auch das Inge Heinrich als Lockvogel quasi ablenkt und er sich dann gar nicht so sehr auf die andere Frau konzentriert.

00:39:36: Und jetzt steigen also alle drei in den grauen VW von Heinrich und fahren los.

00:39:40: Heinrich sitzt hinter dem Steuer, Gerhard sitzt auf dem Beifahrer sitzt und Inge eben hinten auf der Rückbank.

00:39:46: Während der Fahrt, sagt Gerhard natürlich kein Wort, um nicht aufzufallen und Inge navigiert Heinrich Big in Richtung Norden.

00:39:54: Fast eine Stunde dauert die Fahrt nach Krehenwinkel.

00:39:57: Sie durchqueren ganz Hannover, bis sie endlich da sind.

00:40:00: und endlich, sagt Inge, dass Heinrich stehen bleiben soll.

00:40:04: Er hält also an und genau in diesem Moment zieht Gerhard eine Pistole aus seiner Tasche und hält sie an den Kopf von Heinrich.

00:40:11: Ja, aber dann geht der Plan schief, denn statt einfach seinen Geldbeutel abzugeben, wehrt sich Heinrich.

00:40:17: Und daraufhin drückt Gerhard ab.

00:40:20: Eine Kugel durch Bord Heinrich, dann noch eine und noch eine.

00:40:24: Viermal schießt Gerhard Pop insgesamt auf Heinrich.

00:40:27: Der sagt Blutüberström zusammen und ist sofort tot.

00:40:31: Gerhard greift sich endlich den Geldbeutel und nimmt die Beute raus.

00:40:35: Zweihundert Mark.

00:40:36: Also ganz schön wenig für einen erschressenen Mann.

00:40:39: Aus heutiger Sicht ist das auf jeden Fall nicht viel Geld.

00:40:42: Damals war die Kaufkraft natürlich noch ein bisschen höher.

00:40:45: Jedenfalls sitzen sie jetzt da in dem Auto, den toten Heinrich am Steuer und überlegen, was sie eben mit der Leiche tun sollen.

00:40:52: Und nachdem sie so eine Weile überlegt haben, da holt Gerhard dann den Ersatzreifen des Wagens aus dem Kofferraum.

00:40:58: Er findet auch eine Schnur und mit dieser Schnur bindet er das Ersatzrad an den Körper der Leiche.

00:41:03: Dann hieft er ihn in den Kofferraum und setzt sich selbst auf den Fahrersitz.

00:41:08: Gerhard kennt sich ja in der Gegend aus, er wohnt zwischenzeitlich in Krehenwinkel, und hat dann auch eine Idee, wo er die Leiche entsorgen könnte, also fährt er in Richtung Süden, zurück Richtung Hannover und steuert dort ein etwas abgelegenes Ufer des Mittellandkanals an.

00:41:24: Die beiden denken, dass der Kanal ein guter Ort ist, um den Toten loszuwerden.

00:41:28: Gerhard hat ja das Reserverad an den Körper des Toten gebunden und gemeinsam werfen sie die Leiche ins Wasser.

00:41:34: Ganz kurz sieht man den Körper noch, dann versinkt er im Wasser und Gerhard und Inge fahren erleichtert wieder weg.

00:41:40: Da wissen sie noch nicht, dass sie Probleme bekommen werden, weil die Leiche eben wieder hoch kommt.

00:41:46: Wie die Polizei ermittelt, das habe ich ja schon erzählt.

00:41:49: und währenddessen machen Gerhard und Inge schon neue Pläne und nur drei Wochen später schlagen sie wieder zu.

00:41:55: Diesmal besuchen sie einen Kaffee in Hannover.

00:41:58: Inge hat sich wieder hübsch gemacht, während Gerhard sich etwas im Hintergrund hält und in dem Kaffee sitzt ein siebenund dreißigjähriger Mann.

00:42:06: Inge geht auf ihn zu und spricht ihn an und dieser Mann ist eben Heinz Engels, der ist Vertreter, arbeitet.

00:42:12: Die beiden unterhalten sich eine Weile, dann will ich der ein, gemeinsam mit Inge nach Crenwinkel zu fahren.

00:42:18: Gerhard und Inge spielen jetzt eigentlich genau das gleiche Spiel wie bei ihrem ersten Mord.

00:42:22: Und wieder wird der fremde Mann tatsächlich nicht misstrauisch, ob Gerhard irgendwie verkleidet sein könnte.

00:42:28: Sie fahren also nach Crenwinkel, etwa zwanzig Minuten aus der Stadt heraus und halten vor dem Unterschlupf von Gerhard Pop.

00:42:36: Nachdem sie angehalten haben, zieht der genau wie beim ersten Mal seine Pistole hervor und schießt Heinz Engels in den Kopf.

00:42:44: Danach holt er ein Messer hervor und setzt es an den Hals von Heinz.

00:42:48: Blut spritzt über die neuen Polster des Autos.

00:42:51: Gerhard versucht durch die Haut zu kommen, durch die Sehnen.

00:42:55: Er kommt aber nur bis zur Wirbelsäule.

00:42:57: Ihm den Kopf abzutrennen, klappt also nicht.

00:43:00: Und das haben wir ja auch schon häufiger gehört, dass das nicht ganz so leicht ist, einen Menschen zu köpfen.

00:43:05: Zumindest wenn man sich nicht auskennt, Thomas erklärt uns noch mal warum.

00:43:09: Die Frage kommt ja immer wieder auf, wie schwierig das eigentliches Körperteil und insbesondere den Kopf abzutrennen.

00:43:14: Das ist eigentlich nur davon abhängig, wie versiert, wie technisch und handwerklich begabt beziehungsweise ausgebildet jemand ist und ob die oder derjenige anatomische Kenntnisse hat.

00:43:27: Wenn man vollkommen ohne Kenntnisse versucht, Gliedmaße oder den Kopf abzutrennen, wird man irgendwann auf knöchende Strukturen kommen und Stoßen, die man nur sehr kraftaufwendig und brutal mit einer Säge durchtrennen kann.

00:43:37: Wenn man das gelernt hat, wenn man da handwerklich geschickt ist und die anatomische Kenntnisse hat, dann wird dort auch ein scharfes, schmales, ein schlankes Messer ausreichen.

00:43:45: Denn dann weiß man, welche knorpeligen Strukturen überhaupt die ganzen Knochen zusammenhalten, die man da durchtrennen muss.

00:43:51: Das heißt, das ist immer davon abhängig, wie gut jemand, ich sag einmal, in seinem Fach ist.

00:43:56: Ja, Ger hat es also nicht so versiert und gibt dann irgendwann auf.

00:44:00: Er holt stattdessen den Geldbeutel seines Opfers hervor und die Beute ist diesmal zumindest ein bisschen größer.

00:44:06: Eins Engels hat vierhundert Mark in seinem Geldbeutel, die Ger hat sich einsteckt.

00:44:10: Dann setzt er sich wieder auf den Fahrersitz und fährt etwa zwanzig Minuten in Richtung Norden.

00:44:15: Diesmal will er die Leiche nicht im Kanal versenken.

00:44:18: Stattdessen fahren Inge und Er in eine Fichtenschonung in der Nähe des Ortes Lindwedel.

00:44:24: Da laden sie die Leiche aus, verstecken sie in einem Gebüsch, wo sie dann eben erst acht Monate später gefunden wird.

00:44:31: Daher wegen sich Gerhard und Inge auch in Sicherheit.

00:44:34: Die haben ja beide Leichen entsorgt und fahren wieder nach Hause.

00:44:38: An einem Morgen, einige Tage später, ist Gerhard aber plötzlich ganz aufgeregt.

00:44:42: Er hat in die lokale Tageszeitung geschaut und gelesen, dass die Polizei einen Zusammenhang zwischen den beiden Mordfällen sieht und eine Belohnung von zehntausend Mark ausgeschrieben hat.

00:44:53: Und jetzt bekommt.

00:44:53: er hat Angst.

00:44:55: Aber anstatt sich zu stellen oder zumindest mal den Ball ein bisschen flach zu halten, plant das Mörderpaar einen weiteren Mord.

00:45:02: Allerdings wollen sie diesmal nicht in Hannover und Umgebung zuschlagen, sondern in Braunschweig.

00:45:08: Dieser dritte Mord, der soll so eine Art Ablenkungsmanöver sein und die Polizei auf eine andere Fährte locken.

00:45:15: In Braunschweig liegt er etwa anderthalb Autostunden von Hannover entfernt.

00:45:19: Gerhard und Inge fahren dort hin und starten erst mal wieder das gleiche Muster, dass sie schon bei ihren ersten beiden Taten angewandt haben.

00:45:27: Und diesmal spricht Inge einen jungen Mann an, redet eine Weile mit ihm, aber dann, in der letzten Sekunde, entscheidet Inge sich um.

00:45:36: Sie hat schon eine Zeit lang mit dem Mann geredet, aber dann sagt sie ihm plötzlich, dass er gehen soll.

00:45:41: Also sie schickt ihn einfach wieder weg.

00:45:43: Ja, also was sie genau gesagt hat, ist nicht ganz klar, aber es scheint so, es hätte sich dann doch mal ihr Gewissen gemeldet.

00:45:49: Und statt den Mann eben in diese Falle zu locken, bringt sie ihn dazu zu gehen.

00:45:53: Gerhardt kannst du dir vorstellen, ist davon nicht begeistert.

00:45:57: Er darf ja auch nicht auffallen in seiner Verkleidung.

00:45:59: Inge und Gerhardt machen sich dann also unverrichteter Dinge wieder auf den Weg zu Gerhardts Auto, um zurück nach Hannover zu fahren.

00:46:07: Gerhardt hat seinen Kopftuch inzwischen wieder abgelegt und auch den langen Mantel, der ihnen ja ein bisschen wie eine Frau hat aussehen lassen.

00:46:14: Ja, und das wird ihm dann zur Verhängnis, denn ohne Vorwarnung wird er von einer Sekunde auf die nächste verhaftet.

00:46:22: Aber warum, wegen des Diebstahls?

00:46:24: Ja, es ist wirklich aus seiner Sicht ein richtig dummer Zufall, denn ein Polizeibeamter, der hat ihn erkannt, weil Gerhard ihm von diesen vorherigen Straftaten Diebstahl und Co.

00:46:34: wirklich in Begriff war.

00:46:35: Und weil er da bei einigen Straftaten ohne Strafe bislang davon gekommen ist, nimmt er ihn jetzt fest.

00:46:41: Und so landet Gerhard Popp im Gefängnis.

00:46:44: Okay, jetzt wissen wir, wie es wirklich gelaufen ist.

00:46:46: Aber gegenüber der Polizei erzählt Inge ja immer noch die andere Geschichte, oder?

00:46:51: Also, dass sie für die Morde verantwortlich ist.

00:46:54: Ist es jetzt so, dass Gerhard vielleicht die Zehntausend Mark einkassieren will?

00:46:58: Oder warum macht sie das?

00:46:59: Tja, das fragen sich die Beamten auch.

00:47:01: Die haben ja keine Ahnung, warum sie für ihn einsteht.

00:47:04: Und lassen sie erst mal wieder gehen.

00:47:06: Denn die hecken jetzt einen Plan aus.

00:47:08: Sie setzen nämlich eine andere Frau auf Inge an.

00:47:10: Und zwar eine... deren Partner ebenfalls im Gefängnis sitzt und sie locken diese Frau damit, dass sie ihren Mann eher entlassen würden, wenn sie ihnen hilft.

00:47:20: Sie soll jetzt aus Inge ein Geständnis rauslocken, in dem sie zugibt, dass nicht sie, sondern Ger hat geschossen hat, das vermuten die Polizeibeamten nämlich.

00:47:29: Inge und diese Frau, die freunden sich langsam wirklich an und irgendwann sind sie so vertraut miteinander, dass sie sogar ein vermeintlich gemeinsam Selbstmord planen.

00:47:41: Die beiden verabreden sich in einem Hotel in Hannover zum gemeinsamen Suizid.

00:47:46: Und als sie dann in diesem Hotelzimmer sitzen, da erzählt Inge der anderen Frau die ganze Wahrheit.

00:47:50: Sie erzählt, dass sie Gerhard schützen wollte und dass sie deswegen gesagt hat, dass sie die Morde begangen hat.

00:47:56: Gleichzeitig bereut sie aber, was sie getan haben.

00:47:59: Und Inge ist deshalb auch total verzweifelt, als ihr schlechtes Gewissen kommt, tatsächlich durch, dass sie jetzt auch keine andere Lösung weiß, als sich umzubringen.

00:48:08: Also nimmt sie eine kleine Flasche, Pflanzenschutzmittel, dreht den Deckel auf und setzt sie an die Lippen, bereit, diese Flasche auszutrinken.

00:48:15: Und da wird dann die Tür aufgebrochen, die Polizeiwarmen stürzen sich auf die junge Frau, um zu verhindern, dass sie sich umbringt.

00:48:21: Polizisten waren nämlich, weil das ja eine geplante Aktion war, im Nebenzimmer und haben zugehört, wie Inge ihre Taten gestanden hat.

00:48:29: Weil sie Inge, ja aber auch noch für ein vernünftiges Geständnis vor Gericht brauchen, stürmen sie dann eben das Hotelzimmer, um eben auch zu verhindern, dass da wirklich was passiert.

00:48:37: Eine krasse Story, halt so ein bisschen was von Hollywood.

00:48:39: Also, wenn es dann so ein Finale ist, also heftig da sowas, da bei dir im Örtchen passiert ist.

00:48:46: Aber ob das heute noch so durchgehen würde?

00:48:48: Das ist die Frage, dass man so eine Person so in Gefahr bringt.

00:48:52: Aber es waren halt die fünftiger Jahre.

00:48:54: Im Februar, neunzehnhundertneinhalbundfünfzig beginnt dann der Prozess gegen die beiden.

00:48:58: Inzwischen haben sich ja auch schon einige Dinge um die Angeklagten herumgesprochen.

00:49:03: Inger hat mittlerweile in der Presse zwei Spitznamen.

00:49:06: Einmal eben der Todesengel von Creen Winkel oder auch die schwarze Inger.

00:49:11: Als sie dann vor Gericht aufläuft, sind die Menschen erst mal wirklich überrascht.

00:49:15: Denn auf der Anklagebank, da sitzt ein wirklich hübsches Mädchen mit einer harmlosen Ponyfrisur.

00:49:21: Ihre Gesichtszüge sind total weich.

00:49:23: Sie sitzt da ganz still, schaut melancholisch, manchmal ein bisschen misstrauisch und trotzigt rein.

00:49:29: Zwischendurch wirkt sie wieder abwesend und start ganz unbeteiligt aus dem Fenster des Schwurgerichtsaals.

00:49:36: Dann sitzt dann noch Gerhard Popp, der ist inzwischen neununddreißig Jahre alt.

00:49:40: Er ist, habe ich ja vorhin schon gesagt, ein ziemlich kleiner, schmächtiger Mann.

00:49:44: Seine Hände sehen auch so ein bisschen kindlich aus, er wirkt fast zierlich.

00:49:48: Gerhard Popp wirkt wirklich wie ein ziemlich schwacher Mann, ein Mann, der seine Schwäche vielleicht auch nicht wahrhaben will und anderen so ein bisschen Kraft vorspielt.

00:49:56: Hier siehst du die beiden auch vor Gericht.

00:49:59: Ich finde, das hat jetzt auch wieder irgendwie so Hollywood-Vibes, wie die beiden aussehen.

00:50:04: Also er trägt so ein Doppelreier-Sacco, sieht wirklich gut gekleidet aus, aber ja, wie du sagst, relativ schmal gebaut.

00:50:11: Also, dass er sich als Frau verkleidet und nicht sofort als Mann auffällt, das kann ich mir schon vorstellen.

00:50:18: Er hält die Hände hinter dem Rücken verschränkt, guckt ein bisschen unsicher wahrscheinlich zum Richter oder der Richterin.

00:50:24: Ja, und Inge.

00:50:26: Die sieht auch aus wie so eine Hollywood-Schauspielerin.

00:50:28: Also wunderschön.

00:50:29: Die Haare auch so gelegt, ne?

00:50:31: Die

00:50:31: Haare so gelegt, genau.

00:50:32: Das Gesicht ganz zart, wie so ein Püppchen.

00:50:36: Die schaut nach unten, hat so ein bisschen ein grauses Kinn, beißt wahrscheinlich so die Lippen so ein bisschen aufeinander.

00:50:43: Und ich könnte mir vorstellen, dass sie in diesem Moment schon realisiert, was sie da getan hat und was die beiden zusammen getan haben, dass sie vielleicht hoffentlich auch ein schlechtes Gewissen hat, keine Ahnung.

00:50:51: Klar, ich meine, sie hat selber nicht geschossen, aber sie hat es eben unterstützt und sie hat ihn ja auch gedeckt.

00:50:56: Ihr siehst so auch noch mal die Waffe und auch die Perücken, die die beiden genutzt haben.

00:50:59: Das wird dann davor Gericht präsentiert.

00:51:02: Also für die damaligen Verhältnisse war die schon echt gut ausgestattet.

00:51:07: Also ich glaube nicht, dass man das so einfach bekommt an jeder Ecke und sich so eine Perücke bei Amazon.

00:51:11: bestellen konnte.

00:51:13: Also da haben sie schon einiges betrieben, um da gut ausgestattet zu sein.

00:51:17: Ja, es wirkt sehr professionell.

00:51:18: Auch diese Waffen sind das zwei verschiedene, glaube ich, ne?

00:51:21: Ja,

00:51:21: genau.

00:51:22: Ja, es ist auf jeden Fall interessant.

00:51:23: Ich meine, wir haben ja auch häufiger schon in den Fällen das gehabt, dass diese Männer eher auf den ersten Blick unsicher sind, aber doch irgendwie nazistisch und auch, dass sie sich deutlich jüngere Partnerinnen suchen, vielleicht auch an der Hoffnung, die dann eben kontrollieren zu können.

00:51:37: Und sagt ihr das auch selbst über sich oder?

00:51:39: Erzählte überhaupt irgendwas vor Gericht?

00:51:41: Also Gerhard bleibt vor Gericht erst mal stumm.

00:51:44: Er schaut wirklich viel in die Lehre, auch als der Richter das Urteil verkündet, nämlich eine lebenslange Haftstrafe.

00:51:51: Vorher hatte aber so ein paar Worte gesagt, nämlich ich war gefürchtet, weil man wusste, dass ich strafbare Handlungen beging.

00:51:59: Melzer sagte mir, dass ich erst einmal Leichen fest werden müsste.

00:52:03: Schießwillige braucht man immer.

00:52:05: Als ich Engels den Kopf abschneiden wollte, da kam ich bloß bis zur Wirbelsäule.

00:52:10: Die Arbeit war mir zu unsympathisch.

00:52:12: Keine angenehme Beschäftigung.

00:52:14: Oh, das klingt total unsympathisch.

00:52:15: Also schrecklich und total abgebrüht.

00:52:19: Und gibt da jetzt die Schuld noch irgendwem anders?

00:52:20: Also wer ist dieser Melzer?

00:52:22: Ja, Melzer, das ist der Vater von Inge.

00:52:25: Der Ger hat ja auch hart bei sich wohnen lassen.

00:52:27: Und ein Journalist von der Zeit beschreibt den so.

00:52:31: Ein Mann, der aussieht wie George Rush.

00:52:34: Das ist so ein US-amerikanischer Maler.

00:52:36: Und der Journalist beschreibt weiter, fliehendes Kinn, fliehende Stirn, ein Dreiecksgesicht.

00:52:41: Wenn man bereit ist, hier von einem Gesicht zu sprechen, Schweinsnacken.

00:52:45: Dazu die verlogene Haltung des Biedermanns.

00:52:48: Also er war kein Fan von ihm.

00:52:50: Definitiv nicht.

00:52:51: Inge sagt übrigens auch nicht viel vor Gericht.

00:52:53: Auffällig ist nur, dass sie halt Worte wie Blut oder so vermeidet.

00:52:57: Also sie redet immer eher von beschmutzten Polstern.

00:53:00: Und dem Gericht fällt auf, dass sie sich aber offenbar trotzdem nicht sonderlich geäkelt hat, als der Kopf des zweiten Opfers von Schüssen zerschmettert war.

00:53:08: Allerdings ist das auch wirklich alles, was das Gerichter aus Inge herausbekommt.

00:53:12: Vor dem dreitägigen Prozess haben Sachverständige natürlich monatelange Untersuchungen durchgeführt, aber mehr als diese kleinen Aussagen von Inge und Gerhard haben sie nicht.

00:53:21: Und bevor ich dir jetzt aber erzähle, wie das Urteil für Inge ausfällt, möchte ich natürlich wissen, was denkst du, ist sie schuldig?

00:53:28: Also natürlich trägt sie auch eine Schuld mit sich.

00:53:30: Also sie hat sich an der Tat beteiligt, sie war dabei, sie hat ihn unterstützt, sie hat nichts gesagt und hat auch keine Hilfe geholt.

00:53:39: Also aus meiner Sicht sollte sie schon bestraft werden, aber ja... Sie ist ja natürlich auch Opfer gewesen, was ihre Kindheit angeht, was jetzt Gerhard angeht.

00:53:47: Er hat sie ja manipuliert.

00:53:49: Das war wahrscheinlich auch sein Plan.

00:53:51: Er hat die Morde begangen, deshalb würde ich sagen, dass seine Strafe viel höher ausfallen sollte.

00:53:55: Ja, es ist nämlich tatsächlich eine Frage, die auch vor Gericht dann diskutiert wird, weil sie ja eben so unter seiner Fuchtel stand und das eben auch, als sie schon sehr, sehr jung war und auch im kriminellen Milieu durch ihre Eltern eben aufgewachsen ist.

00:54:08: Und ich habe unserem Psychologen Christian Lütke auch nochmal gefragt, inwieweit sie da wirklich abhängig war.

00:54:13: Psychologisch spricht sie das für grooming.

00:54:16: und Instrumentalisierung, also eine Lage, in der Autonomie massiv eingeschränkt ist.

00:54:21: Trotzdem bleibt Schuld keine Null- oder Einsfrage.

00:54:25: Man muss Entwicklung, Abhängigkeit, Angst und Handlungsspielräume ganz sauber auseinanderhalten.

00:54:31: Mit zwölf bis vierzehn Jahren ist die Identität noch hochformbar.

00:54:35: Bindung kann dann aber auch zu einer Falle werden, vor allem wenn ein deutlich älterer Partner Loyalität über Mutproben, Drohung, Idealisierung oder Angst trainiert.

00:54:44: Das kann dann zu einer traumatischen Bindung führen.

00:54:47: Man hängt am Täter, obwohl er schadet.

00:54:50: Gleichzeitig mit zunehmendem Alter und wiederholenden Entscheidungen wächst grundsätzlich auch die Verantwortung, aber sie ist graduell nicht absolut.

00:54:58: Dass sie am Ende als Jugendliche Gehilfen verurteilt wurde, zeigt genau diese Ambivalenz.

00:55:03: Beteiligung ist real, aber die Rolle und Reife sind anders als bei einem erwachsenen Haupttäter.

00:55:08: Also wird sie verurteilt?

00:55:10: Ja, das Urteil gegen Inge, das lautet Beihilfe zum Mord und sie bekommt dann eine Jugendstrafe von sieben Jahren.

00:55:17: Es gibt ja auch einige Punkte, die eben dafür sprechen, dass Inge die Morde nicht freiwillig unterstützt hat.

00:55:22: Also erstmal diese Mutproben, über die ich da erzählt habe, da wurde sie ja zugezwungen, da natürlich der große Altersunterschied zwischen den beiden.

00:55:29: Die Abhängigkeit von Inge zu Gerhardt und dann der Fakt, dass Inge die Männer nur anlockt, aber Gerhardt sie dann tötet.

00:55:36: Das Gericht glaubt deswegen, dass Inge eigentlich nie so eine Chance auf ein normales Leben hatte, weil sie eben schon sehr jung kriminell geworden ist.

00:55:44: Und viele Zeitungen schreiben nach dem Prozess, dass Inge zur Verbrecherin dressiert wurde.

00:55:49: Aber trotzdem kommen Inge und Gerhard dann beide ins Gefängnis.

00:55:53: Weißt du mal, was aus dem Bein geworden ist?

00:55:55: Also, du hattest, glaube ich, gesagt, dass sie in den Neunzehnhundertvierzig geboren wurde.

00:55:59: Könnte ja eigentlich noch leben.

00:56:01: Inge sitzt auf jeden Fall diese sieben Jahre im Gefängnis ab.

00:56:04: Und übrigens auch wieder interessant, im Gefängnis bekommt sie gleich mehrere Heiratsanträge.

00:56:09: Und als sie entlassen wird, bekommt sie dann von den Behörden eine neue Identität und zieht auch Osanova weg.

00:56:15: Es gibt Gerüchte, dass sie inzwischen verheiratet ist und Kinder hat, aber ganz genau weiß man das nicht, unter welchem Namen und in welchem Ort sie lebt.

00:56:24: Ja, Gerhard, der sitzt insgesamt zwanzig Jahre im Gefängnis und wird dann aber neunzehntundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund.

00:56:53: Und manchmal entscheidet der Richter schon im Urteil, dass die Schuld so besonders schwer ist, dass selbst nach fünfzehn Jahren keine Freilassung in Frage kommt.

00:57:01: Und weißt du, wie alt er ist, als er entlassen wird?

00:57:04: Ja, so um die neun und fünfzig.

00:57:05: Das heißt, er wäre heute über hundert.

00:57:07: Also vermutlich ist er nicht mehr am Leben.

00:57:09: Mich würde jetzt natürlich interessieren, was unsere Sestis sagen, was ihr sagt.

00:57:13: Also war Inge jetzt Täterin oder Opfer?

00:57:16: Oder irgendwie beides.

00:57:17: Also schreibt uns mal bei Instagram und das ist das in crime.podcast unter den Post zum Fall.

00:57:22: Was denkt ihr?

00:57:23: Da bin ich gespannt und auch, was ihr von diesem Fall haltet.

00:57:25: Also, als du gesagt hast, du erzählst ein Fall aus Crane Winkel, habe ich nicht gedacht, dass da jetzt so eine Hollywood-Story rauskommt.

00:57:31: Das ist ganz krass, ne?

00:57:32: Das hat mich schon überrascht.

00:57:33: Gab es dazu gute Infos?

00:57:35: Also, konntest du das ganz gut recherchieren?

00:57:38: Naja, es gab halt schon einige Artikel natürlich von der Hannover schon allgemein Zeitung, das ist ja meine Hometownzeitung.

00:57:44: Und es gab auch ein paar Bücher.

00:57:45: Und ich weiß nicht, ob du dich erinnerst, es gab mal so eine Serie Stahlnetz, hieß das.

00:57:49: Das war glaube ich im erst, also in der AD.

00:57:52: Und das ist sozusagen, so waren die Vorläufer des heutigen True Crime.

00:57:56: Und da haben die solche Fälle nachgedreht, auch tatsächlich mit Schauspielern, aber eben auch beruhend auf den wahren Begebenheiten.

00:58:04: Das kannst du heute noch bei Amazon bestellen, als DVD-Edition oder so.

00:58:09: Die haben wir uns bestellt, da habe ich dann auch mal reingeguckt.

00:58:12: Das ist echt witzig, wenn man das heute sieht.

00:58:13: Wenn man jetzt weiß, ich meine, unsere neue TrueCrime TV-Serie kommt ja jetzt auch im Februar.

00:58:17: Das ist natürlich noch ganz anders gemacht damals.

00:58:20: Teilweise schwarz-weiß und auch so ganz langsam gedreht und so.

00:58:24: Aber da konnte ich dann so ein bisschen gucken, weil die ja eben, ja... auch richtig recherchiert haben damals und hatten natürlich auch die Infos.

00:58:30: Und es hat die Leute auch damals schon interessiert.

00:58:32: Ja, da hat man wirklich gesehen, das war wirklich so die Anfänge von True Crime im Fernsehen.

00:58:38: Krasser Fall.

00:58:39: Danke, also es war wirklich eine absurde Geschichte.

00:58:42: Ja, schon.

00:58:43: Und mein Onkel findet es auch ganz interessant, dass er jetzt bei uns ab und an mal zu Gast ist.

00:58:48: Weil er ist ja auch in unserem Happily-True-Fall zu Wort gekommen.

00:58:52: Wir machen den noch berühmt, das ist mein Onkel.

00:58:54: Ja, aber wirklich,

00:58:55: den will ich unbedingt mal kennenlernen.

00:58:56: Hartmut, ne?

00:58:56: Kannst

00:58:57: mal mit ihm eine Runde fliegen.

00:58:59: Ja, stimmt, er ist ja Pilot.

00:59:00: Ja, gerne.

00:59:01: Also, wenn du keine Angst hast, kann ich dich mal mitnehmen, können wir mal eine Runde über Crenwinkel und Hannover fliegen, kann ich dir meinen alten Reitstall zeigen, sowas.

00:59:09: Ja, da gucken wir uns dann die Tatorte von oben an, wo der Exhibitionist unterwegs war und wo jetzt die beiden die Morde begangen haben.

00:59:15: Guter Plan, das machen wir auf jeden Fall.

00:59:18: Ja, in diesem Sinne, das war eine schöne Folge Sisters in Crime.

00:59:21: Die Frage ist, was kommt nächsten Dienstag?

00:59:24: Und für nächste Woche haben wir ja wieder was ganz Besonderes geplant.

00:59:28: Und zwar gibt es eine ganz tolle Kooperationsfolge mit Alex.

00:59:32: Genau, von Ware Verbrechen.

00:59:34: Den haben wir ja neulich mal kennengelernt in Berlin.

00:59:37: Auch ein super, cooler, netter Typ.

00:59:39: Wir haben es sofort total gut verstanden und haben dann gesagt, komm, wir machen eine Doppelfolge.

00:59:43: Und da haben wir uns auch... Ich sage mal, in ein interessantes Milieu begeben, ins Milieu der Bodybuilder.

00:59:49: Und da gibt es auch echt Stories, also das konnte ich gar nicht glauben.

00:59:52: Das ist eine ganz andere Welt,

00:59:53: ne?

00:59:53: Ja, total.

00:59:54: Ich bin so gespannt auf diesen Fall, freue ich mich drauf.

00:59:57: Natürlich auch dann, den Fall zusammen mit Alex aufzunehmen.

01:00:00: Und ich hoffe, ihr seid wieder mit dabei.

01:00:01: Nächste Woche ist es das in Crime am Dienstag.

01:00:04: Und bis dahin

01:00:05: eine schöne Zeit.

01:00:06: Das wünschen wir euch.

01:00:07: Bis dann.

01:00:08: Ciao.

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