True Crime Briefing 3: Tod auf dem Großglockner - Urteil im Bergsteiger-Drama
Shownotes
Mitten in der Nacht telefoniert ein junger Mann mit der Alpinpolizei: Er ist auf dem Großglockner unterwegs, dem höchsten Berg Österreichs – im Winter, es ist eisig kalt. Bei absoluter Dunkelheit wagt er den Abstieg zurück ins Tal. Allein. Seine Freundin hat er unterhalb des Gipfels zurückgelassen. Sie soll ihn weitergeschickt haben, um Hilfe zu holen. Um 2 Uhr 30 ist über eine Webcam ein wandernder Lichtpunkt am Berg zu sehen. Thomas ist auf dem Weg nach unten. Eine Stunde später setzt er einen Hilferuf ab. Am frühen Morgen rückt ein Rettungsteam zu Fuß aus. Auch für die Einsatzkräfte ist der Aufstieg beschwerlich, die Wetterverhältnisse sind schwierig. Um kurz nach 10 Uhr erreichen sie Kerstin - finden sie wenige Meter unterhalb des Gipfels. Sie ist tot. Erfroren. Und es stellen sich viele Fragen: Warum sind die beiden überhaupt im Winter und bei schlechten Wetterverhältnissen auf den Berg gestiegen? War Kerstin zu unerfahren und hätte Thomas wissen müssen, dass seine Freundin die Tour nicht schaffen würde? Und wieso sind die Beiden nicht umgekehrt, als es noch möglich war? Thomas musste sich nun vor dem Landgericht Innsbruck wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Jetzt ist das Urteil gefallen. Jule und Karolin erzählen den Fall und ordnen die Hintergründe mit Strafverteidigerin Pantea Farahzadi, Psychologe Christian Lüdke und Rechtsmediziner Thomas Kamphausen ein.
Über True Crime Briefing: Was bewegt die Welt des Verbrechens? Fesselnde News, laufende Fälle, aktuelle Updates. Jule und Karolin sprechen im True Crime Briefing über die Schlagzeilen der vergangenen Tage, erzählen den Stand der Dinge und ordnen die Hintergründe wie gewohnt mit Experten ein.
Autorinnen:
Jule Gölsdorf
Karolin Kandler
Quellen: Spiegel Podcast "Inside Austria - Tod am Großglockner" :newstime-Sendung vom 19. Februar 2026 https://www.welt.de/vermischtes/article69973cd9bbc0d13fd82fe1a5/tod-am-grossglockner-reinhold-messner-spricht-von-dekadenzerscheinung.html https://www.alpin.de/home/news/63399/artikelzeugenaussagenkontroversenundhintergruende.html https://www.spiegel.de/ausland/grossglockner-prozess-aufsehen-erregender-schuldspruch-fuer-bergsteiger-a-b1737d20-0e5f-407d-9062-671d47265070 https://www.alpin.de/home/news/62049/artikeltotamgrossglockneralpinistinerfriert50meterunterhalbdesgipfels.html https://www.bild.de/news/ausland/frau-am-grossglockner-erfroren-bergsteiger-soll-auch-ex-freundin-zurueckgelassen-haben-699720f920e745047f84b44c
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00:00:00:
00:00:01: Mitten in der Nacht telefoniert ein junger Mann mit der Alpine-Polizei.
00:00:06: Er ist auf dem Großglockner unterwegs, dem höchsten Berg Österreichs im Winter.
00:00:12: Es ist eisig kalt.
00:00:15: Bei absoluter Dunkelheit wagt er den Abstieg zurück ins
00:00:18: Tal.
00:00:20: Allein
00:00:22: Seine Freundin hatte er unterhalb des Gipfes zurückgelassen.
00:00:27: Sie soll ihn weiter geschickt haben um Hilfe zu holen.
00:00:32: Um zwei Uhr dreißig ist über eine Webcam ein wandener Lichtpunkt am Berg zu sehen.
00:00:38: Thomas ist auf dem Weg nach unten.
00:00:41: Eine Stunde später setzt er einen Hilferuf ab.
00:00:45: Am frühen Morgen rückt ein Rettungsteam zu Fuß aus, für einen Hubschrauber-Einsatz ist es zu windig.
00:00:52: Auch für die Einsatzkräfte ist der Aufstieg beschwerlich – die Wetterverhältnisse sind schwierig!
00:00:58: Um kurz nach zehn Uhr erreichen sie Kerstin finden sie wenige Meter unterhalb des Gipfels, sie ist tot.
00:01:07: Erfroren und erstellen sich viele Fragen.
00:01:10: Warum sind die beiden überhaupt im Winter- und bei schlechten Wetterverhältnissen auf den Berg gestiegen?
00:01:16: War Kerstin zu unerfahren und hätte Thomas wissen müssen, dass seine Freundinnen die Tour nicht schaffen würden?
00:01:22: Und wieso sind die Beiden nicht umgekehrt als es noch möglich war?
00:01:27: Thomas musste sich vor dem Landgericht Innsbruck wegen fahrlässiger Tötung verantworten.
00:01:32: Jetzt ist das Urteil gefallen.
00:01:53: Hallo, da sind wir schon wieder mit True Crime Briefing Nummer drei!
00:01:58: Ich bin Jule Gülsdorf
00:01:59: Und ich bin Karolin Kantler und wir freuen uns wirklich sehr, dass euer Feedback zu unserem neuen Format so positiv ist.
00:02:06: Wenn man erst mal anfängt damit, dann merkt man, man könnte echt jeden Tag eins machen oder vielleicht sogar mehrere weil es einfach so viele Themen und Fälle gibt über die man reden könnte, einfach jeden Tag.
00:02:16: aber das schaffen wir natürlich nicht!
00:02:18: Aber wir schauen einfach mal, welche Themen es so gibt über die wir dann reden möchten.
00:02:22: Die uns interessieren und ich glaube der Fall heute ist auf jeden Fall ein Beispiel was uns beide wahnsinnig interessiert.
00:02:30: Total!
00:02:31: Und das obwohl Bergsteigen ja eher so nischen Thema ist.
00:02:35: aber diese Geschichte hat wirklich fern des Sports so viele Menschen beschäftigt auch über die Grenzen Österreichs hinaus.
00:02:42: also selbst international wurde darüber berichtet.
00:02:45: Tja, warum eigentlich?
00:02:46: Also ich glaube ja weil es da so ein bisschen an unsere Urängste geht.
00:02:51: Da ist ein paar zwei Menschen die sich also zumindest vermeintlich lieben.
00:02:57: sie begehen gemeinsam einen Abenteuer und dann lässt er sie zurück.
00:03:02: Ja und der denkt natürlich viele sofort was für ein Albtraum!
00:03:06: Sie sind da mitten in der Nacht unterwegs das ja Wahnsinn ist.
00:03:11: Es is eisig kalt, sie kommen wohl nicht mehr weiter Und dann geht er alleine weiter, lässt sie in der Kälte zurück und am nächsten Tag also mehr als vierundzwanzig Stunden nachdem Sie aufgebrochen sind wird sie dann totgeborgen.
00:03:25: Auf den ersten Blick klingt das ja auch ziemlich herzlos aber – und das muss man an dieser Stelle wirklich ganz klar sagen die Berichterstattung In den Medien und den sozialen Medien, die ging halt teilweise wirklich sehr stark in diese Richtung.
00:03:39: Also so nach dem Motto er hat sie da total rücksichtslos am Berg sitzen lassen?
00:03:45: Eine Vorverurteilung ist das denn niemand war ja dabei und kann das beurteilen!
00:03:51: Ja, und teilweise gab es sogar richtig schräge Theorien.
00:03:54: Also Spekulationen über Affären oder Versicherungsbetrug – also richtig wild ist das da geworden!
00:04:01: Und wir wollen uns den Fall ausführlich anschauen, denn wir haben es zu Beginn ja schon gesagt Thomas musste sich vor Gericht verantworten und am Donnerstagabend ist das Urteil gefallen.
00:04:11: Ja, vorgeworfen wurde ihm fallesige Tötung Und weil wir, ihr kennt das ja unsere Fälle immer von Experten einordnen lassen freuen uns auch total dass wir eine neue Expertin im Team haben und zwar die Rechtsanwältin Pantea Farasadi.
00:04:26: sie ist Fachanwälte für Strafrecht.
00:04:28: Ja und weil er sie noch nicht kennt da haben wir sie mal gebeten sich kurz vorzustellen
00:04:32: Ich bin Panthea Faras-Sadi, ich bin Rechtsanwältin und Fachanwälte für Strafrecht aus Köln.
00:04:37: Und zu meinen Spezialgebieten in der Strafverteidigung gehört das Sexualstrafrecht sowie schwere Kapitalverbrechen,
00:04:43: d.h.,
00:04:44: wenn es um Mord- und Totschlag geht oder aber auch um schwere Gewaltverbrechehen.
00:04:48: Herzlich willkommen!
00:04:49: Wir freuen uns sehr, dass wir dem Brechtsmediziner Thomas Kamphausen unserem Psychologen Christian Nütke, Kriminologe Manuel Heinemann jetzt auch eine Strafferteitigerin mit an Bord haben.
00:05:00: Und wir haben direkt weiter gefragt, der beschuldigte Thomas wird ja wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.
00:05:06: Der Staatsanwalt wirft Thomas Fehlverhalten in neun Punkten vor.
00:05:10: Da gehen wir später nochmal genauer drauf ein.
00:05:13: aber es geht unter anderem darum ob Kerstin zu wenig Erfahrung für so eine Tour hatte das ihre Ausrüstung nicht die richtige war und ob Thomas nicht früher hätte Hilfe anfordern müssen.
00:05:24: Aber vorab wollten wir von Panthea wissen, was fallässige Tötung genau bedeutet.
00:05:29: Auch bezogen auf diesen Fall.
00:05:31: Fallässigetötung bedeutet bezogen off den konkreten Fall dass jemand der Tod eines anderen verursacht hat ohne ihn zu wollen aber weil er eine gebotene Sorgfaltspflicht verletzt hat die vermeidbar gewesen wäre.
00:05:43: Zum Prozess kommen wir später.
00:05:45: jetzt schauen wir uns erst mal an was in diesem Fall genau passiert ist.
00:05:49: Wir beginnen die Geschichte am Untersberg, das nördlichste Massiv der Berchtesgadener Alpen.
00:05:56: Den Untersberg lernen Kersti nämlich schon kennen als sie fünf Jahre alt ist.
00:06:01: Damals natürlich noch nicht auf einer Klettertour – sie sitzt mit ihrer Familie in einer Gondel.
00:06:07: Überhaupt begeistern Sie Bergtouren, als sie jung ist, noch nicht!
00:06:12: Später hingegen, sie fängt während der Corona-Pandemie damit an, besteigt sie den knapp zweitausend Meter hohen Berg über verschiedene Routen um ihn dann hinab zu laufen.
00:06:23: Trail Running nennt sich das Ganze!
00:06:26: Heute kann man den Gipfel des Untersberg von ihrer Grabstätte aussehen – Der Berg erhebt sich hinter der Friedhofsmauer.
00:06:35: Ihr Name ist in eine Steinplatte graviert Außerdem ihr Gesicht, das Relief des Großglockners und natürlich das Geburts- und Sterbedatum.
00:06:44: Letzteres ist der neunzehnte Januar zweitausendfünfundzwanzig.
00:06:49: Etwa ein Jahr vorher lernt Kerstin den Mitte dreißigjährigen Thomas kennen – auf Tinder!
00:06:55: Er kommt aus Salzburg, er liebt die Berge, auf seinem Instagram Account kann man sehen dass er häufig Touren geht mehrfach auch schon auf dem Großglocke.
00:07:05: Die beiden verlieben sich ineinander, sind ein sportbegeistertes Paar.
00:07:10: Während sie die Leidenschaft für die Bergtouren also etwas später entdeckt und es für sie wohl die erste Tour auf diesem Berg ist hat Thomas den Großglockner wie gesagt schon mehrfach bestiegen – und natürlich nicht nur diesen Berg!
00:07:24: Er hat schon etliche Gipfel erobert, ist ein erfahrener Bergsteiger.
00:07:29: Beide sind fasziniert vom Bergsteigen, wieso viele andere auch?
00:07:33: Keine Ahnung wie es euch jetzt geht, aber im Kern kann ich das auch so ein bisschen nachvollziehen.
00:07:38: Also ich finde Berge sind irgendwie faszinierend.
00:07:40: diese Weite die Natur, die Stille auch so'n bisschen dass weit weg von allem sein.
00:07:46: oder was denkst du?
00:07:47: Als?
00:07:47: ich hab da so n bisschen eine gespaltene Meinung zum Thema Bergsteigen also in der Natur sein und spazieren gehen das find ich ja alle schön.
00:07:55: Es liegt vielleicht daran wir sind ja beide aus Norddeutschland.
00:07:57: Also, ich musste mich erst mal dran gewöhnen auf so ein Berg zu steigen und ich muss sagen.
00:08:02: So dieses Wandern auf einem Berg macht mir immer noch nicht so wahnsinnig viel Spaß weil ich es einfach nicht so ganz verstehe als ich finde es irgendwie so bisschen sinnlos die ganze Zeit den Berg hochzulaufen und dann da zu stehen und wieder runter zu laufen.
00:08:13: also ich find's einfach super anstrengend.
00:08:15: Ich hab' da genausoviel von wenn ich irgendwie auf einer geraden Fläche spazieren gehe und an einem schönen See bin oder sowas.
00:08:20: Ich kann schon nachvollziehen dass das Menschen mögen mein Ding ist es aber ehrlich gesagt nicht so wirklich.
00:08:26: Ja, ich finde halt... Ich mag das Spazieren in den Bergen schon total.
00:08:30: Aber ich müsste jetzt nicht hochkackseln vor allem nicht wenn es gefährlich wird.
00:08:34: also das ist halt für mich so ein Punkt ne?
00:08:37: Ja viele lieben mir auch dass sie sich eine Herausforderung stellen also lieben das Abenteuer.
00:08:43: Extrem Bergsteiger Reinholt Messner da sagt im Rahmen der Berichterstattung zu diesem Fall bei WeltTV Das Bergsteigen grundsätzlich mit persönlichem Risiko verbunden sei.
00:08:53: und er sagt weiter Was wir tun, ist erstens egoistisch und zweitens eine Dekadenzerscheinung der letzten zweihundert Jahre.
00:09:02: Menschen nehmen bewusst gefahren in Kauf – und Bergsteigen hat zu tun mit
00:09:07: Eigenverantwortung.".
00:09:09: Ja klar ist, Bergstein wird immer beliebter.
00:09:11: Seit der Pandemie zählt der Alpenverein mehr Mitglieder.
00:09:15: für viele geht es auch um Leistungen, Wettbewerb und Erfolg.
00:09:18: Und wer umkehren muss sieht das auch manchmal als persönliches Scheitern!
00:09:23: Das macht das Ganze umso gefährlicher.
00:09:25: Ja, und der Großglockner?
00:09:27: Auf dem Friedhof am Fuße des Berges gibt es sogar eine eigene Großglocke Gedenkstätte – dort werden tödliche Unfälle aufgelistet!
00:09:37: Jetzt ist also der achtzehnte Januar zwei Tausendfünfundzwanzig.
00:09:41: Thomas' und Kerstins Tour beginnt am Fuß des Großglockners auf dem Parkplatz wo sie ihren Wagen stehen lassen und fortan zu Fuß weitergehen.
00:09:50: Von dort aus gibt es mehrere Routen.
00:09:53: Zwei stehen dabei ganz besonders im Fokus, die ihr euch auch auf einem Foto anschauen könnt – das wurde im Standard abgedruckt -, dass wir euch auf Instagram und der Sisters in Crime.podcast hochgeladen haben.
00:10:05: Und Jule du kannst es ja mal beschreiben!
00:10:07: Genau also auf diesem Bild ist halt der Berg eingezeichnet und dann sieht man eben die verschiedenen Möglichkeiten wie man da nach oben kommen kann Und es gibt also den Normalweg, der eben für Menschen gut geeignet ist die wenig Erfahrung haben.
00:10:25: Also über diese Route kann man sowohl im Sommer als auch im Winter gut gehen und dann gibt es noch den Weg über den Stüdelgrad.
00:10:32: das ist dann schon deutlich anspruchsvoller.
00:10:34: also da muss man dann eben richtig klettern und läuft nicht nur.
00:10:38: Also generell geht's hier ja auch um sogenannte Hochtouren, bei denen es jetzt nicht reicht einfach nur sportlich fit zu sein.
00:10:45: Denn sie führen auf rund dreitausend Meter.
00:10:47: Man braucht eine spezielle Ausrüstung das richtige Schuhwerk zum Beispiel.
00:10:51: man geht auch teilweise am Seil weil es sonst so gefährlich ist.
00:10:55: Thomas und Kerstin die nehmen nicht den normal Weg sondern die schwierigere Route Und was die ausrüstungen angeht sind die beiden unterschiedlich ausgestattet.
00:11:05: Thomas hat Skischuhe und Touren-Ski, kehrst den hingegen ein Splitboard also so einen Snowboard das man in zwei Hälften teilen und damit auch den Berg hinaufgehen kann.
00:11:17: Der Januar morgen ist kalt als die beiden gegen sechs Uhr vierzig auf ein tausend neunhundert Metern starten.
00:11:24: eigentlich deutlich zu spät denn sie wollen die Tour zum Gipfel innerhalb eines Tages durchziehen.
00:11:30: Die meisten Bergsteiger die sich das vorgenommen haben die starten spätestens gegen fünf Uhr früh Denn sicher wäre es, wenn man im Hellen unterwegs ist und die Sonne geht im Winter ja gegen um die Uhr unter.
00:11:44: Für die erste Etappe brauchen sie etwa drei Stunden – das ist jetzt nicht super langsam aber eben auch nicht super schnell!
00:11:51: Kein Wunder so eine Tour ist anstrengend und schon auch riskant vor allem wenn das Wetter nicht mitspielt.
00:11:57: Als die beiden dort oben unterwegs sind, sind die Verhältnisse nicht optimal Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu seventy vier Kmh, deshalb waren auch nicht viele andere Bergsteiger unterwegs.
00:12:09: Die Temperaturen gehen runter bis auf minus neun Grad.
00:12:12: gefühlt ist es aber viel kälter nämlich bis zu minus zwanzig Grad.
00:12:16: und das ist dann wirklich gefährlich denn durch die Bewegung und Anstrengungen schwitzt man ja Aber gleichzeitig ist es eben kalt und windig und das bürgt immer die Gefahr so schnell auszuküllen Und manchmal fegt der Wind so laut durch die Berge, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht.
00:12:32: Man kann dann auch nicht gut sehen.
00:12:34: Gleichzeitig klettert man da aber durch Eis und Schnee und teilweise geht es links- und rechts richtig tief runter.
00:12:41: Das kann Angst machen und die eigene Kletterfähigkeit auch zusätzlich einschränken.
00:12:46: Ja und klar, wenn man unsicher ist, klettert man auch schlechter.
00:12:49: Kerstin und Thomas erreichen gegen neununddreißig die Stüdelhütte – die liegt auf zwei tausend achthundert Metern – und auch die Höhe an sich ist anstrengend.
00:12:59: Wenn man da oben ankommt weiß man wirklich schon was man getan
00:13:03: hat!
00:13:04: Und für nicht ganz so erfahrene Bergsteiger reicht das bis hierhin oft schon aus.
00:13:08: Also wer sich jetzt nicht mehr super fit fühlt sollte besser nicht weitergehen….
00:13:13: Von dort aus geht es jetzt weiter über den Stüdelgrad, das ist ein wirklich anspruchsvoller Teil der Route.
00:13:19: Den hast du vorhin ja auch schon beschrieben auf dem Bild?
00:13:22: Hier muss schon richtig geklettert werden und diese Route nimmt das Paar.
00:13:26: die beiden schaffen die Etappe und kommen dann bis zum Frühstücksplatzall.
00:13:30: Der heißt so weil viele die Tour lieber an zwei Tagen machen und hier übernachten und quasi nach dem Frühstück dann weitergehen.
00:13:38: Von hier aus muss man noch zweihundertfünfzig Höhenmeter überwinden, um das Ziel also den Gipfel zu erreichen.
00:13:44: Und – das ist wichtig!
00:13:46: Nur hier kann man auch umkehren, ansonsten kommt man nicht mehr zurück.
00:13:51: Das Frühstücksplatzall erreichen Thomas und Kerstin natürlich nicht zum Frühstück sondern am Nachmittag genauer gesagt um vierzehn Uhr fünfzig, also gut zwei Stunden bevor die Sonne untergeht.
00:14:03: Und dass es eigentlich viel zu spät….
00:14:06: Im Winter sollte man dort gegen elf Uhr sein, damit der Aufstieg noch einigermaßen entspannt und ohne besondere Gefahren klappen kann.
00:14:14: Das Problem?
00:14:15: Der Gipfel ist von dort aus in Sichtweite – vielleicht lassen sich die beiden von ihrem ersehnten Ziel leiten und gehen deshalb eben trotzdem weiter!
00:14:24: Wir haben euch einen Foto vom Gipfel mal hochgeladen für den ersten Eindruck.
00:14:28: Jule, kannst du auch nochmal das Foto beschreiben?
00:14:30: Ja genau da sieht man es jetzt auch.
00:14:32: also... Der Gipfel ist in diesem Fall fast vollständig von Schnee bedeckt.
00:14:35: Also klar, die Felsen gucken immer zwischendurch so ein bisschen raus und das Foto ist jetzt ja nur diese Bergspitze.
00:14:42: Und man sieht es natürlich nicht.
00:14:43: dass der Mensch denn da hoch läuft ist natürlich super klein.
00:14:46: also ich finde es halt krass weil da sind ja logischerweise einfach keine Wege oder so.
00:14:50: Das ist kein Spazierweg sondern man geht einfach auf dem Raunfels durch den Schnee über Eis und da ist ja im Grunde nichts was einen absichert.
00:15:00: Ja, und jetzt ist der Himmel da auch noch blau.
00:15:02: Also das musst du dir jetzt auch mal bei schlechterem Wetter vorstellen oder bei diesem starken Wind.
00:15:07: also ich glaube dass es da oben echt heftig
00:15:09: ja und dann vor allen Dingen wenn es irgendwann dunkel wird.
00:15:11: also dann hast du zwar irgendwie so eine Stirnlampe aber ansonsten siehst du halt nix.
00:15:15: mittlerweile haben Thomas und Kerstin schon eine Höhe von drei tausend fünfhundertfünfzig Metern erreicht und ab jetzt wird es richtig schwierig.
00:15:24: An dieser Stelle muss ich auch wirklich noch mal sagen, wenn man sich mit sowas nicht auskennt und diese tollen Videos anderer Bergsteiger sieht dann ist so eine Gipfelbesteigung natürlich durchaus verlockend.
00:15:35: Und du hast es ja eben schon angesprochen.
00:15:36: also es gibt halt so Videos bei strahlendem Sonnenschein der Schnee ist so schön weiß dazwischen die Felsen und da oben das Kreuz wie es in die Höhe ragt und für viele ist da oben zu stehen ein Traum.
00:15:51: Aber nochmal, bei der Besteigung des Großglockner handelt es sich um eine Hochtour.
00:15:55: Dafür braucht man auch Hochtourenkenntnisse – die richtige Ausrüstung im Idealfall ein Bergführer und auch wirklich ein gutes Zeitmanagement!
00:16:04: Also klar so'n Selfie da oben das wollen viele aber die Strecke dahin darf man wirklich nicht unterschätzen.
00:16:10: Und das Foto von dem Gipfelkreuz das seht ihr ja auch noch mal auf sistersandcrime.podcast.
00:16:14: Du kannst ja hier mal gucken.
00:16:16: Das sieht natürlich alles ganz schön aus ne?
00:16:19: Ja, total.
00:16:20: Auch hier ist das Wetter wieder optimal.
00:16:22: also der Himmel ist strahlend blau die Sonne scheint wahrscheinlich man sieht sie da nicht aber es geht auf jeden Fall so aus und Das Kreuz ist wirklich imposant.
00:16:30: ich glaube Es ist sieht aus wie aus Holz Aber vielleicht ist es auch aus Stahl.
00:16:33: Auf Jeden fall ist es sehr groß wird von stahl Seilen gehalten.
00:16:38: Kann mir vorstellen ja Du hast es ja schon gesagt dass jemander gerne ein selfie haben möchte.
00:16:42: das könnte gut verstehen.
00:16:44: ja definitiv Das sportliche Paar hat jetzt vom Parkplatz bis zum Frühstücksplatzsaal schon mal über acht Stunden gebraucht.
00:16:52: Und das ist eigentlich schon zu langsam, also man sollte eher so fünf bis sechs Stunden brauchen und jetzt wird es eben nochmal anspruchsvoll haben wir ja gerade schon gesagt Es fehlen noch so um die dreieinhalb Meter bis zum Gipfel.
00:17:03: Da muss man sich konzentrieren.
00:17:04: Man läuft da teilweise am Seil weil es eben sonst zu gefährlich ist.
00:17:08: Und je weiter man nach oben kommt desto weniger wird auch der Sauerstoff.
00:17:13: Und ich hab's ja eben schon gesagt, es ist eigentlich schon zu spät um noch im Hellen da oben anzukommen.
00:17:19: Wohl ein Fehler!
00:17:20: Stefan Winter vom Alpenverein der sagt in unseren Nachrichten bei Newstime über solche Situation das folgende...
00:17:27: Auf Turma so immer schauen wo bin ich jetzt gerade meinem Zeitplan?
00:17:31: Ist es noch alles stimmig?
00:17:33: Komme ich in die Dunkelheit?
00:17:34: wie fühle ich mich?
00:17:35: Wie fühlt sich mein Mitgeher?
00:17:37: habe ich schon stärkeren Kraftverlust oder auch enormen Durst und Hunger?
00:17:43: Das Geld ist laufend zu beurteilen.
00:17:45: Ja, trotzdem entscheidet sich das Paar dazu weiterzugehen und das heißt sie geraten schnell in die Dunkelheit.
00:17:52: Klar Sie haben diese Stirnlampe aber nochmal es ist dunkel der Weg ist gefährlich man muss klettern und links und rechts geht es steil nach unten was interessant ist und auch wichtig für diese Geschichte.
00:18:06: auf der Strecke gibt es eine Webcam Und deshalb können Bergretter auch sehen, wie sich die beiden da nach oben bewegen.
00:18:15: Also über die Kamera sieht man sie als beleuchtete Punkte eben wegen der Stirnlampe, die Sie tragen und auch davon gibt es Fotos bei uns zu sehen.
00:18:25: Kannst ja mal gucken.
00:18:26: also es sind so zwei Aufnahmen.
00:18:28: einmal sieht man das ist achtzehn Uhr zehn ne?
00:18:30: Da ist es schon ziemlich dunkel Man sieht halt ganz klein.
00:18:34: ich weiß nicht ob du es erkennen kannst.
00:18:36: diese Lichtpunkte wo sich die Beiden bewegen
00:18:38: Das ist da wahrscheinlich links oben am Berg, oder?
00:18:41: Genau ja.
00:18:42: Ja also wenn das wirklich da dieser Lichtpunkt ist dann kann man das ganz gut erkennen weil der ganze Berg natürlich dunkel ist, da es nix erleuchtet und einzig diese beiden Stirnlampen die sieht man sich dann wahrscheinlich da bewegen
00:18:54: genau.
00:18:55: Und jetzt wird's richtig dramatisch.
00:18:56: Die Berggrätter sehen dass Thomas und Kerstin über Stunden nicht vorankommen.
00:19:01: Zudem bekommen sie von einem anderen Bergsteiger gemeldet Dass da noch zwei Menschen im Dunkeln auf dem Berg unterwegs sind.
00:19:08: Ein anderer meldet, dass auf dem Parkplatz noch ein Wagen steht – ohne Insassen und diese noch unterwegs sein müssen.
00:19:15: Deshalb wird die Bergrettung jetzt aktiv und schaltet auch die Behörden ein.
00:19:20: Die können über das Autokennzeichen ermitteln wer der Halter ist.
00:19:24: Und so kommen sie auch an die Handynummern!
00:19:27: Die Polizei versucht Thomas anzurufen aber es nicht erreichbar.
00:19:31: Dazu muss man wissen….
00:19:33: Auf dem Großblogner hat man eigentlich guten Handyempfang und sein Handy ist auch nicht ausgeschaltet.
00:19:40: Die Polizei informiert nun ein Hubschrauber, der zufällig noch unterwegs ist.
00:19:46: Der fliegt jetzt dorthin und leuchtet die beiden an.
00:19:49: Zu diesem Zeitpunkt ist es bereits kurz vor drei Uhr und Thomas und Kerstin sind bereits seit sechszehn Stunden auf dem Berg.
00:19:58: Der Heli leuchtete die beiden also aktiv an und macht damit auf sich aufmerksam!
00:20:03: Und der Bergsteigern gibt es diesbezüglich feste Zeichen.
00:20:07: Also wer in Gefahr ist, der streckt die beiden Arme schräg nach oben bildet so eine Art Y ein Y für Yes und für Ja ich brauche Hilfe Wenn alles okay ist direkt man nur einen Arm in die Höhe Der andere bleibt unten.
00:20:21: Offenbar gibt Thomas kein Signal dass er Hilfe braucht.
00:20:25: John weil sich die Beiden noch im Aufstieg befanden zieht der Helikopter jetzt einfach ab gehen weiter ihren Weg.
00:20:33: Was man aber fairerweise dazu sagen muss, weil wir ja schon wissen wie die Geschichte ausgeht und Kerstin sterben wird – ob es geholfen hätte wenn die beiden hier ein Hilfesignal ausgesendet hätten?
00:20:44: Das ist unklar!
00:20:45: Denn ob man die beiden im Dunkeln und bei starkem Wind mit einem Hubschrauber hätte bergen können das ist fraglich….
00:20:52: Aber vielleicht hätte man einen Fußtrupp auf jeden Fall noch los schicken können Was sicherlich so gewesen sein wird, nach sechzehn Stunden Bergsteigen wird Kerstin alles andere als fit gewesen sein.
00:21:03: Die beiden sind jetzt noch fünfzig Meter vor dem Gipfel.
00:21:07: Aber jetzt kommen sie einfach nicht mehr weiter!
00:21:09: Vor ihnen liegt eine Kletterpassage mit glatten Wänden und Seilen.
00:21:14: Über die Webcam sehen die Bergretter das sie wohl versucht haben dort rüber zu kommen aber offensichtlich klappt es nicht.
00:21:21: Trotzdem setzt Thomas keine Notruf ab.
00:21:24: Die Alpin-Polizei versuchte stundenlang auf seinem Telefon, aber er geht einfach nicht dran.
00:21:51: Gegen null Uhr dreißig ruft er endlich die Polizei zurück, doch auch aus diesem Anruf wird für die Beamten nicht wirklich ersichtlich das und wie dringend Erhilfe braucht.
00:22:02: Die beiden harren eine Weile an der Stelle aus, an der sie feststecken – es geht nicht vor und nicht zurück!
00:22:10: Irgendwann gegen zwei Uhr morgens entscheidet Thomas sich alleine weiterzugehen um Hilfe zu holen.
00:22:17: Doch die Frage ist wo und bei wem eigentlich?
00:22:21: Denn die nächste Hütte auf der Tour ist zu dieser Zeit gar nicht bewirtschaftet.
00:22:27: Bevor er sich aufmacht, sichert er seine Freundin noch mit einem Seil ab.
00:22:32: Einen Biwagsack oder eine Alodecke verwendet er nicht um sie vor der Kälte zu schützen.
00:22:38: Zumindest als sie gefunden wird hat sie keine zusätzlichen Klamotten an war eben nicht in so ein Biwarksack oder einer Decke gehüllt.
00:22:46: Das Problem, so ist Kerstin dem Wind der Nässe der extremen Kälte fast schutzlos ausgeliefert.
00:22:53: Eigentlich muss man sich bewegen um warm zu bleiben.
00:22:57: Tja ob diese Maßnahmen also eine extra Decke oder ein Sack wirklich geholfen hätten bei den eisigen Temperaturen?
00:23:04: auch das ist nicht sicher.
00:23:06: wir haben mal unseren Rechtsmediziner Thomas Kamphausen dazu befragt.
00:23:10: Beste Chance sich vor dem Unterkühlen zu schützen ist natürlich ne sehr gute Isolierung Und eine Rettungsdecke wäre da optimal für geeignet, zunächst einmal so als Rettungsmittel in der ersten Hilfe.
00:23:21: Warum?
00:23:22: Gerade den Umgebungen in denen ein Luftzug herrscht und indem eine hohe Luftfeuchtigkeit Vorliegt zum Beispiel auf den Bergen, also in den Berge oder auch im Wasser ist das so.
00:23:32: Durch die Feuchtigkeit und durch eine Strömung, zum Beispiel Luftströmungen ganz viel Wärme abgetragen.
00:23:37: Das nennt man Konvektion.
00:23:38: Und eine Isolierung hilft da ganz wunderbar.
00:23:40: Jetzt ist es so... Man hat natürlich nicht immer irgendwie dicken Down-Mantel dabei und er hilft einer Rettungsdecke ganz hervorragend.
00:23:46: Die stammt in der Entwicklung her so sechziger, siebziger Jahre tatsächlich aus der Raumfahrt als man Isolierungen für Raumschiffe und für Satelliten entwickelt hat.
00:23:55: Und das ist eine ganz dünne Plastikfolie die es zum einen jetzt einmal Flüssigkeits- und auch Windundurchlässig und dies auf der einen Seite Silberfarben oder auf der anderen Seite Goldfarben Metall beschichtet.
00:24:04: Und diese wird halt mit der silberfarmenen Seite um den Körper gewickelt und zwar am allerbesten Umbekleidung drum herum.
00:24:11: Da wird das dicht rumgewickelt, so dass man zum einen nochmal ein Windschutz hat.
00:24:16: Dass also keine Luft da durchkommt.
00:24:17: Zum anderen hat man dann auch eine Dampfsperre darin die silberne Seite zum Körper gerichtet reflektiert an die Wärme.
00:24:24: und wenn ich darüber jetzt noch mal die oberste Bekleidung schicht drüber packe und das ja an dem Bündchen des Halses und am Handgelenk richtig dicht mache ist es ne ganz probate und gute erste Hilfemaßnahme vor einer Unterkühlung zu schützen oder eine weitere Unterkühlung zu verhindern.
00:24:39: Ob das im Einzelfall eine Rettung bewirkt oder nicht, oder wie lange man dann noch vielleicht länger überleben können.
00:24:44: Das lässt sich natürlich nicht voraussagen aber das ist etwas was sehr sehr erprobt
00:24:48: ist.".
00:24:49: Herr So sitzt Kerstin dort jedenfalls mitten in der Nacht alleine auf dem Berg einfach in der Kleidung in der sie dort angekommen ist während Thomas sich aufmacht um über den Gipfel abzusteigen.
00:25:04: Er muss erst ganz hoch und dann auf der anderen Seite wieder runter.
00:25:09: Die Bergretter sagen, er besteigt den Gipfel wohl zügig.
00:25:12: Das sehen sie über die Webcam.
00:25:15: Er erreicht diese Hütte um drei Uhr dreißig Dort ist aber niemand.
00:25:20: Dann telefoniert er nochmal mit der Polizei und setzt nun auch endlich einen richtigen Notruf ab.
00:25:28: Nun sind die Bergrettern also offiziell alarmiert Und gehen gegen fünf Uhr morgens aus dem Tal los zum Gipfel an.
00:25:38: der Kerstin sitzt um zehn Uhr am nächsten Morgen.
00:25:42: Doch Kerstine ist bereits tot, erfroren in den Bergen.
00:25:48: Was dabei im Körper passiert hat uns Thomas auch noch
00:25:51: mal erklärt.
00:25:52: Zunächst unterscheiden wir die Unterkühlung.
00:25:54: Das ist das was man gemeint als Erfrieren im Sinne einer Todesursache kennt von den lokalen Erfrierungen an Körperpartien, die kälter ausgesetzt sind und die dann schlecht durchblutet werden Kälte so geschädigt werden, dass zum Beispiel die Fingerkuppen, die Zehen spitzen oder auch die Nase abfrieren schwarz werden.
00:26:13: Das Gewebe also abstirbt.
00:26:15: Was passiert bei der Unterkühlung?
00:26:16: Das ist eigentlich der medizinisch korrekte Ausdruck.
00:26:19: Beim Unterkühren ist es so das die Kälter zu physiologischen Reaktionen führt.
00:26:25: Das heißt der Körper möchte sich zunächst einmal vor Kälte schützen und das macht er im ersten Grad.
00:26:29: die Unterkühlung, also eine leichten Unterkühlung bei einer Körpertemperatur zwischen thirty- und fünf Grad mit Kältestress, mit einer Gegenreaktion.
00:26:36: Das heisst man versucht die Körper oberfläche zu verkleinern und die Wärme im Kern zu halten und zwar indem die Gefäße sich verengen.
00:26:42: Perifer,
00:26:42: d.h.,
00:26:43: die Haut wird dann blass und kalt.
00:26:45: Das ist dann, dass die Finger dann zum Beispiel auch ganz blass oder kalt werden um dann halt das warme Blut im Körper kernzuhalten.
00:26:51: Als nächste Stufe käme dann das Muskelzittern hinzu.
00:26:53: Wir alle wissen, wenn wir uns körperlicher anstrengen und bewegen beim Sportmachen oder Arbeiten körperlich, dann fangen wir an zu schwitzen.
00:26:59: warum?
00:27:00: Weil der Energieverbrauch natürlich auch Wärme erzeugt.
00:27:02: Das macht den Körper automatisch bei Kälte Und er fängt damit mit Muskel zittern an also Schüttelfrost und solange noch Energiereserben da sind kann das also auch wärmer erzeugten.
00:27:12: Also ist dann so die erste Grad der Unterkühlung.
00:27:15: Beim zweiten Grad der unterkühlung Kühlung zwischen zwei dreißig grad körpertemperatur und achtundzwanzig grad haben wir jetzt das Problem, dass die Energiereserven langsamer aufgebraucht sind.
00:27:23: Das Zitron also abnimmt und dementsprechend der Energieverbrauch nicht mehr zur Wärmegewinnung genutzt werden kann und damit der Wärmeverlust größer ist.
00:27:33: Die Stoffwechselprozesse verlangsamen sich langsam also auch enzymatisch im Körper,
00:27:37: d.h.,
00:27:37: es kommt da zu einem Stoffwechselversagen nach und nach hin und vor allen Dingen zu einer Verschübung der Blutsalze, also der Konzentration der Blutzalze der sogenannten Elektrolyte im Körper Und das führt zum Hirnüdeem.
00:27:50: Das Hirn-Üdeem wiederum hat viele spannende Folgen, zum einen eine zunehmende Verwirrtheit aber auch ein paradoxes Wärmeempfinden.
00:27:58: D.h.,
00:27:58: die Leute frieren plötzlich gar nicht mehr subjektiv sondern finden es ganz warm und entkleiden sich häufig in der schweren Unterkühlung obwohl es draußen bitter kalt ist.
00:28:07: hinzukommt dass es zu Halluzination kommen kann also wahnhaften Vorstellungen.
00:28:11: Und das wiederum beantwortet die Frage Ist das eigentlich schlimm?
00:28:15: Wenn man erklärt ist das nicht schlimm?
00:28:17: Es wird immer beschrieben, dass es nichts Schmerzhaftes ist.
00:28:19: Sondern das die Leute im Rahmen der sogenannten Kälteidiotie in Hirnöde mit einem paradoxen Bärme empfinden und mit so einem halluzinatorischen Erleben das Ganze sogar angenehm empfinden bzw nicht so unangenehm wie man sich das eigentlich vorstellen
00:28:32: würde.".
00:28:33: Also für Kerstin kommt wohl jede Hilfe zu spät?
00:28:36: Der Einsatzleiter und seine Kollegen bringen die Tote zurück ins Tal.
00:28:41: Das ist das letzte was sie jetzt noch für Sie tun können Und die große Frage ist, hätte man oder besser hätte Thomas dieses Unglück verhindern können?
00:28:49: Diese Frage hat jetzt auch das Landgericht Innsbruck beschäftigt.
00:28:53: Denn Thomas wird angeklagt wegen fahrlässiger Tötung.
00:28:57: Was das bedeutet – das haben wir von Panthea ja schon zu Beginn gehört und ich habe sie auch nochmal gefragt ob es auch andere Anklagen hätte geben können!
00:29:05: Statt einer fahrlässigen Tötung hätte das Gericht auch einen Totschlag prüfen können, dass wäre dann der Fall wenn der Angeklagte vorsätzlich seine Partnerin in Kenntnis dessen, dass sie sterben kann zurückgelassen hat.
00:29:17: Das bedeutet er wollte den Tod oder erhielt es zumindest für möglich und nahm es trotzdem billigem Entkauf, dass seine Partnerinnen versterben wird.
00:29:24: aber dafür gab es laut Urteil keinerlei Anhaltspunkte.
00:29:28: Denkbar wäre auch eine Strafbarkeit wegen Aussetzung.
00:29:31: Das ist im österreichischen Strafgesetzbuch ähnlich, im deutschen Strafgesetzbuch das ist wenn man eine hilflose Person im Stich lässt und sie dadurch gefährdet.
00:29:39: aber auch hierfür sei das Gericht quasi keine Anheizpunkte weil dass zurückgelassen nicht isoliert als ein Straftat angenommen worden ist sondern als Teil einer Rettungsabsicht.
00:29:49: das heißt er hat sich zurück gelassen um Hilfe zu holen aber ist daran leider gescheitert.
00:29:55: Jetzt muss sich Thomas vor dem Landgericht verantworten und zwar genau ein Jahr und einen Monat später.
00:30:00: Am neunzehnten, zweiten, zweitausendsechsundzwanzig.
00:30:04: Der Andrang im Schwurgerechtzahl ist groß.
00:30:07: Die Hundertdreißig Sitzplätze sind alle belegt.
00:30:10: Medienvertreter, interessierte Zuhörer aber auch Menschen vom Fach zum Beispiel Bergführersitzen dort An einer Wand unter dem Tiroler Wappenadler hängen zwei Monitore.
00:30:21: darauf zu sehen der Großglockner darauf eingezeichnet, der Stüdelgrat und das Frühstücksplatzahl.
00:30:28: Also die Schlüsselpassagen um die es gehen
00:30:31: wird.".
00:30:32: Thomas kommt um kurz nach neun in den Saal.
00:30:35: Er trägt ein weißes Hemd eine braune Rose, ein dunkles Sacco.
00:30:40: Er erzählt wer Kerstin kennengelernt hat und dass sie oft im schroffen Gelände zusammen unterwegs waren – und dass Sie sich sicher gefühlt hätten auf Ihren Touren auch wenn Sie nie einen Kurs für Hochalpine-Touren belegt hätten!
00:30:54: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun aber Fehler vor.
00:30:57: Neun in Summe, die sich kurz so zusammenfassen lassen.
00:31:02: Erstens habe er die Tour gemacht obwohl ihm klar hätte sein müssen dass Kerstin dafür nicht über genügend Erfahrung verfügt.
00:31:10: Zweitens seien sie zu spät gestartet um die Tour an einem Tag zu schaffen.
00:31:15: Drittens hätte Kerstine mit diesen Softboots die falschen Schuhe getragen und viertens hätten sie über keine Notfallausrüstung verfübt.
00:31:22: Fünftens seien sie nicht rechtzeitig umgekehrt.
00:31:25: Sechstens hätte Thomas Hilfe anfordern müssen, als es dunkel wurde.
00:31:30: Siebends habe er kein Signal an den Hubschrauber gegeben, obwohl das nötig gewesen wäre.
00:31:35: Achtendens habe er Kerstin ungeschützt zurückgelassen und neunthens sei er für die Alpine-Polizei nicht erreichbar gewesen.
00:31:44: Thomas entschuldigt sich vor Gericht für das was passiert ist.
00:31:48: Trotzdem bekennt er sich als nicht schuldig!
00:31:52: Der Vizepräsident des Landesgerichts Innsbruck Klaus Jennewein sagt bei Newstime folgendes dazu.
00:31:59: Eine Reihe von Fehlverhalten, die er gesetzt haben soll in der Planung der Tour und auch bei der Durchführung der tour, auch bei einer Ausstattung und seiner Begleiterin das alles in der Kette dazu geführt haben soll dass eben dieser tragische Ausgang genommen hat.
00:32:17: Übrigens was ganz interessant ist steht Kerstins Mutter Hinterthomas.
00:32:22: Sie sagt, der Tod ihrer Tochter sei das Ergebnis einer tragischen Verkettung unglücklicher Umstände.
00:32:29: Sie möchte Thomas dafür keine Schuld zuweisen.
00:32:32: Für den Prozess sind jetzt verschiedene Fragen wichtig.
00:32:35: Da geht es zum einen um die Definition des Touristenführers aus Gefälligkeit.
00:32:41: Dann traf er die Entscheidung über die Routenwahl, hat er das Wetter und auch die Gefahren eingeschätzt.
00:32:48: Entschiedt er über einen Abbruch der Tour?
00:32:51: Hatte er eine Führungsrolle – und hat sie dem
00:32:54: zugestimmt?!
00:32:55: Die Staatsanwaltschaft sagt ja!
00:32:58: Kerstins Mutter, die widerspricht und meint, die beiden hätten Entscheidungen immer gemeinsam getroffen.
00:33:04: Auch der Vorsitzende Richter Norbert Hofer, selbst Berg- und Flugretter stellt diese eine Frage in den Mittelpunkt.
00:33:12: Nämlich war Thomas Kerstin in Erfahrung und können so weit überlegen, dass ihm eine Führungs- und Schutzverantwortung zukam.
00:33:22: Ja all diese Fragen werden in diesem Prozess verhandelt teilweise sehr emotional.
00:33:27: es werden etliche Zeugen befragt also Angehörige beider Seiten Polizisten Bergretter sogar eine Ex Freundin von Thomas.
00:33:36: Thomas sagt, sie hätten die Bergtouren zusammen geplant und das bestätigt auch Kerstins Mutter im Zeugenstand.
00:33:42: Sie sagt, Kerstin habe sich nie etwas vorschreiben lassen – doch an gemeinsame Entscheidungen auf Augenhöhe glaubt der Richter nicht.
00:33:50: Zumindest nicht auf dieser verhängnisvollen Tour!
00:33:54: Denn ein Post auf Instagram zeigt, dass Kerstine bei winterlichen Touren unerfahren war.
00:34:00: So kommentiert sie zumindest ein Bild von Thomas….
00:34:03: Der Richter kennt sich aus, stellt viele Fachfragen während des Verhandlungstages welche Karabiner und Schlingen sie dabei gehabt hätten zum Beispiel.
00:34:12: Thomas äußert sich auch zum Hubschrauber als der vorbei flog.
00:34:16: seien Sie noch top fit gewesen.
00:34:18: daher habe er auch keine Notfall signalisiert.
00:34:22: aber dann habe Kerstin unterhalb des Gipfels einen rapiden Leistungsabfall erlitten und habe sich nicht mehr bewegen können.
00:34:30: Deshalb habe er sie in Sichtweite des Gipfelkreuzes gesichert, damit sie nicht in die Westwand reinfällt.
00:34:36: Und dass er bei ihr bleiben wollte?
00:34:38: Er habe sich dazu gelegt und sie hätte laut gerufen – Geh jetzt!
00:34:41: Geh!
00:34:42: Und er sagt Sie haben ihm damit das Leben gerettet.
00:34:45: Wenn ich zu ihr gestiegen wäre, wäre ich jetzt nicht mehr
00:34:48: da.".
00:34:49: Das Kerstin's Leistung abrupt abgefallen ist daran Zweifelterrichter.
00:34:54: Es gibt ein Video der Wärmebildkamera des Subschraubers und demnach wirkte Kerstin da schon ausgelaugt und erschöpft, hatte Mühe den Fels über sich zu greifen beispielsweise.
00:35:05: Auch interessant – ihre Handydaten ergeben dass sie fünf Stunden vorher also um siebzehn Uhr zwanzig die Nummer eins vier neun wählte.
00:35:15: Aber diese Nummer gibt es nicht!
00:35:17: Den Notruf der Bergrettung erreicht man unter Eins Vier Null.
00:35:21: Hat sie sich also vertippt?
00:35:23: Vielleicht hat sie sich nicht getraut, Thomas zu sagen, dass sie nicht mehr konnte.
00:35:28: Eine Zeugin die sich zu Thomas Verhalten am Berg äußert ist eine Ex-Freundin.
00:35:34: Andrea, sie ist zweiunddreißig hatte ein paar Monate eine Beziehung mit Thomas.
00:35:39: auch Sie haben gemeinsam Bergtouren unternommen Touren die sie alleine nicht hätte machen können!
00:35:46: Sie sagt ich habe oft mal ein bisschen Angst gehabt das er grantig wird und dann sagt stell dich nicht so an.
00:35:53: Die beiden waren auch auf dem Glockner zusammen unterwegs, zwar nicht auf diesem komplizierten Stüdelgrad.
00:36:00: Er auf einem Wald- und Wiesenweg wie sie es beschreibt aber sie sei da komplett am Ende ihrer Kräfte gewesen.
00:36:06: die Stirnlampe aus und ihr war schwindelig und da habe er sie alleine zurückgelassen.
00:36:12: Das war dann die letzte gemeinsame Tour sagt Andrea.
00:36:17: Es ist aber auch echt ein wirklich starkes Stück.
00:36:18: Aber so interessant dass Sie das sagt und das stellt jetzt natürlich noch mal alles in ein anderes Licht.
00:36:23: Also es geht auf jeden Fall gar nicht und zeigt auch so ein bisschen sein Charakter.
00:36:27: Total, wie er halt so tickt ne?
00:36:29: Ja und dass das die letzte gemeinsame Tour war dazu sagt der Richter – Das kann ich nachvollziehen!
00:36:36: Zwischenzeitlich werden dann noch die wirklich furchtbaren Bilder der toten Kerstin gezeigt Tod-und Erfroren in einem Seil hängend Der Körper weit nach hinten gelehnt Offene Boots, der schwere Rucksack, das Gesicht Denn genau so haben die Bergretter sie aufgefunden.
00:36:53: Auch ein Alpinwissenschaftler und Gutachter kommt zu Wort, erzählt viele Fehler- und Fahrlässigkeiten auf.
00:37:00: Er bezeichnet Thomas Verhalten als absolut inkompetent.
00:37:05: Am Ende des Verhandlungstages ist es schon später als zwanzig Uhr.
00:37:10: Dann fällt der Richter das Urteil.
00:37:13: Nach vierzehn Stunden Verhandlungen heißt es schuldig!
00:37:18: Thomas habe die Führung der Tourine gehabt und die Besteigung trotz erkennbarer Erschöpfung und gesundheitlicher Probleme seiner Partnerin nicht abgebrochen.
00:37:28: Er sei um jeden Preis vorangegangen, und habe seine Verantwortung verkannt.
00:37:33: Vom Anklagepunkt seine Partnerin zurückgelassen zu haben wird er entlastet – Der Richter wirft ihm aber sehr deutlich vor, dass er überhaupt mit Kerstin auf den Großglockner Stieg bei minusgraden- und heftigen Windböhnen.
00:37:48: Der Richter sagt unter anderem, es hätte niemals so weit kommen dürfen.
00:37:52: Sie haben null Ahnung gehabt ob Kerstin in der Lage ist die Situation zu bewältigen.
00:37:56: Kerstine ist gegangen bis zu ihrem Tod.
00:37:59: Die Frau war da oben fertig und wenn sie es nicht gesehen haben hätten sie es sehen müssen.
00:38:06: Thomas bekommt jetzt fünf Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe.
00:38:12: Hab das eine verhältnismäßig milde Strafe ist?
00:38:15: Das haben wir Strafverteidigerin Panthea gefragt.
00:38:18: Der mögliche Strafrahmen war ja höher und sie sagt dazu Folgendes.
00:38:23: Jedenfalls hat das Gericht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, weil Sie angenommen haben, dass der Angeklagte eine tragische Fehlentscheidung getroffen hat, keinen Vorsatz hatte zur Tötungen und auch nicht bewusst in Kauf genommen hat, dass seinen Partnern verstärben wird.
00:38:37: aber dennoch... ist eine schwere Fehleinschätzung gewesen, sie zurückzulassen.
00:38:41: Aber andererseits ist die Frau auch eigenverantwortlich gewesen.
00:38:45: Das heißt, sie war aktiv am Entscheidungsprozess mitbeteiligt.
00:38:48: wie auch in anderen Prozessen üblich wurde auch hier ein Sachverständigengutachten eingeholt und die Experten also diese Alpinsachverständigen-Gutachter haben dann ermittelt dass der Leistungsabfall der Frau schon Stunden vor der kritischen Situation erkennbar gewesen sein muss und die Ausrüstung für winterliche Bedingungen ungeeignet war, und auch der Zeitplan insgesamt absolut unpassend war.
00:39:10: Das bedeutet dass beide quasi sehr früh diese Situation hätten als kritisch einstufen müssen und die Tour abbrechen.
00:39:17: Das Gericht stützte die Verurteilung auf mehrere Faktoren.
00:39:20: Es war einerseits, dass der Angeklagte die Fähigkeiten seiner Partnerin nicht realistisch eingeschätzt hat und das auch die Tour nicht rechtzeitig abgebrochen wurde, obwohl er den deutlichen Leistungsabfall seiner Partnerinnen bemerkt hatte.
00:39:32: Außerdem wurde ihm quasi zulast gelegt, dass er die Frau Bewegungsumricht zurückgelassen hatte und auch keinen klaren Notruf abgesetzt
00:39:40: hätte.".
00:39:40: Das Urteil, was ausgesprochen wurde, verklingt erstmal glaube ich für die Allgemeinheit relativ mild.
00:39:45: Weil eine Frau gestorben ist.
00:39:47: aber aus strafrechtlicher Sicht ist es immer nur entscheidend.
00:39:50: Es geht nicht um einen Vorsatz sondern um eine groß fahrlässige Tötung.
00:39:53: das heißt der angeklagte wollte den Tod nicht.
00:39:56: er hat ihn auch nicht bedingend in Kauf genommen.
00:39:57: Ihm wird aber vorgeworfen die Gefahr einfach falsch eingeschätzt zu haben und zwar sehr schwerwiegend falsch eingestetzt zu haben.
00:40:04: Bei Fahrlässigkeitsdelikten ist der Strafrahmen grundsätzlich deutlich niedriger als bei vorsätzlichen Taten.
00:40:09: Wie gesagt, sich Rahmen liegt bei bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe in Österreich.
00:40:13: Das ist etwas anders als im deutschen Strafrecht, wo es bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe geben kann.
00:40:18: Wenn jetzt das Gericht fünf Monate ausgesprochen hat, liegt das im deutlich unteren Bereich.
00:40:23: Das Gericht hat bei der Strafzumessung immer zu prüfen den Schuldgrad, dass Tatverhalten vor Strafen und persönliche Situationes angeklagten aber auch Dinge die den Angeklagte durch so einen Prozess natürlich belastet haben wie zum Beispiel die Eigenbelastung durch dem Tod der Partnerin aber auch die mediale Vorverurteilung.
00:40:41: Hier hat das Gericht sämtliche Umstände berücksichtig, dass ein Klagte jetzt keine Vorstrafen hatte, er selbst schwer gelitten hat durch diese Situation, das Verlust seiner Partnerin und auch die Mediale VorVerurteilungen so dass sie dann nach
00:40:55: Abwägung der Fuffür-undgängigen
00:40:57: angeklackten entsprechenden Umständen eine Bewährungsstraf von fünf Monaten ausgeurteilt
00:41:01: haben.".
00:41:03: Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
00:41:06: Der Angeklagte hat Bedenkzeit erbeten.
00:41:08: Was das bedeutet, hat sie uns auch noch mal
00:41:10: erklärt."
00:41:32: Thomas sei keine Kaltherzigkeit zu unterstellen.
00:41:36: Er habe seiner Partnerin schon helfen wollen und leide selbst schwer unter ihrem Tod, auch unter der enormen medialen
00:41:43: Aufmerksamkeit.".
00:41:45: Klar das kann ich mir vorstellen – diese große Berichterstattung in Österreich aber auch darüber hinaus, dann die Vorverurteilungen, die Gerüchte und die vielen Theorien im Internet.
00:41:55: Das kann natürlich belasten, sagt auch unser Psychologe Christian Littke.
00:42:00: Eine öffentliche Vorverurteilung kann für Betroffene eine massive psychische Belastung darstellen, weil sie nicht nur mit dem eigentlichen traumatischen Ereignis umgehen müssen sondern gleichzeitig mit sozialer Stigmatisierung und öffentlichem Druck.
00:42:12: das führt häufig zu Gefühlen von Ohnmacht, Scham und existenzieller Verunsicherung.
00:42:17: Weil das eigene Selbstbild plötzlich von außen definiert wird.
00:42:21: Viele erleben dabei eine Form von sekundärer Traumatisierung, also zusätzlichen Stress durch die mediale Aufmerksamkeit.
00:42:28: Hinzu kommt, dass Menschen in solchen Situationen oft das Gefühl haben, die Kontrolle über ihre eigene Geschichte zu verlieren.
00:42:34: Das kann zur Rückzug angstdepressiven Symptomen oder auch zu einem starken Bedürfnis führen sich zurechtfertigen.
00:42:40: Psychologisch betrachtet ist es eine enorme Belastungsprobe weil Trauer, Schuldgefühle und öffentlicher Druck gleichzeitig verarbeitet werden müssen.
00:42:49: Tja, doch das alles nimmt Thomas nicht aus der Verantwortung.
00:42:53: Das betont Richter Norbert Hofer auch noch mal.
00:42:56: Dass seine Freundin Kerstin oben am Berg erfroren ist – damit wird Thomas leben und auch zurecht kommen müssen?
00:43:04: Auch das ist nicht leicht wie Christian sagt!
00:43:06: Mit Schulzuleben ist ein sehr komplexer psychischer Prozess.
00:43:09: Der stark davon abhängt ob es gelingt die Verantwortung anzunehmen ohne sich selbst vollständig zu verurteilen.
00:43:16: Viele Menschen durchlaufen zunächst intensive Phasen von Selbstvorwürfen, Grübeln und der Frage was wäre gewesen wenn.
00:43:24: Das kann sehr belastend sein weil Schuld oft mit Charme und dem Gefühl einhergeht als Mensch grundsätzlich versagt zu haben.
00:43:31: Langfristig kann Verarbeitung nur gelingen wenn Schuld nicht verdrängt wird sondern in eine Form von Verantwortung und Sinnsuche integriert wird.
00:43:38: das bedeutet anzuerkennen dass ein tragisches Ereignis passiert ist um gleichzeitig Wege zu finden weiterzuleben oft mit dem Wunsch, daraus etwas Sinnvolles abzuleiten.
00:43:48: Psychologisch sprechen die je von einem Prozess der Integration.
00:43:51: Die Schuld bleibt Teil der Lebensgeschichte aber sie definiert nicht mehr die gesamte Identität.
00:43:57: das braucht Zeit Unterstützung und häufig auch professionelle Begleitung.
00:44:01: Ja dass das für Thomas schwierig wird das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen.
00:44:05: Aber die Worte des Richters nimmt er relativ regungslos entgegen.
00:44:08: also er zeigt dabei kaum Emotionen Eigentlich den ganzen Verhandlungstag lang nicht.
00:44:14: Auch den Richterspruch, die Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung und die Geldstrafe von neuntausend sechshundert Euro nimmt er einfach zur Kenntnis.
00:44:23: Vor Gericht geht es ja auch nicht nur um die Frage nach möglicher Schuld sondern auch um grundlegende Aspekte alpiner Verantwortung.
00:44:31: Der Fall könnte also die Diskussion darum neu beleben denn er zeigt dass Gerichte eine faktische Führungsrolle auch ohne Ausbildung oder Bezahlung anerkennen.
00:44:42: Wer objektiv erfahrener ist, trägt auch die Verantwortung.
00:44:46: Könnte das Urteil also Signalwirkung haben?
00:44:49: Das sagt Panthea dazu!
00:44:51: Welche Signalwirkung das Urteil haben kann, ist meines Erachtens der juristisch spannendste Punkt an dem Fall.
00:44:57: Das Gericht hat nämlich klargemacht, dass man auch wenn man nicht formeller Bergführer ist quasi durch faktische Überlegenheit eine Schutz- und Führungsverantwortung übernimmt.
00:45:05: Es bedeutet wer deutlich erfahrener ist und die Tour quasi maßgeblich prägt trägt Verantwortung auch im privaten Kontext.
00:45:12: Die mögliche Signalwirkung ist also in IP.
00:45:14: in Seilschaften kann die Erfahrung haftungsrechtlich relevant werden.
00:45:18: Selbst wenn mehrere Personen eine tour gemeinsam planen kann man sich dann quasi nicht freisprechen, wenn man erfahrener ist.
00:45:24: Also das heißt Eigenverantwortung endet immer dort wo ein deutliches Kompetenzgefälle besteht.
00:45:29: also wenn einer der Mitwerksteiger deutlich stärker ist, dann trägt er eine gewisse Verantwortung für erfahrene Bergsteiger bedeutet dass quasi wer führt haftet möglicherweise auch und das macht den Fall über einen Einzelfall hinaus sehr relevant.
00:45:42: Ja hoffe ich mal, dass es so ne Signalwirkungen haben wird.
00:45:45: wie schätzt du die Situation jetzt ein?
00:45:47: oder auch die Strafe findest Du?
00:45:49: Die Strafe Zu milder?
00:45:52: Also ich finde es auf jeden Fall richtig, wenn das eine Signalwirkung hat.
00:45:55: Weil... Es kann halt auch nicht einfach jeder sagen wir gehen jetzt mal auf den Berg und so nach dem Motto du kannst dich auf mich verlassen Und wenn dann was passiert Dann kann jemand hinterher sagen ja gut aber ich bin ja kein Bergführer Ich bin nur privaten Mensch.
00:46:09: Das fände ich jetzt schon wichtig, dass das auch anerkannt wird.
00:46:12: Ich kann mir schon vorstellen, dass die Kerstin sich schon auf ihren Freund verlassen hat, weil ihr natürlich klar war, dass er der erfahrenere Bergsteiger ist und dann vertraust du demjenigen ja auch?
00:46:25: Und wenn er jetzt so vom Typ, was wir über ihn gehört haben von seiner Ex-Freundin, dass sie halt manchmal auch ein bisschen pushy ist... magst du vielleicht auch nicht sagen, dass du eigentlich dir das nicht zutraust oder dass du abbrechen willst gerade weil das haben wir ja vorhin auch schon gesagt.
00:46:39: Weil es halt schon dann unser Bergsteigern manchmal aus ein bisschen so eine Herausforderung ist die man meistern will und dann will man halt nicht aufgeben und so ne?
00:46:47: Und in dem Fall hat sie das halt mit dem Tod bezahlen müssen.
00:46:53: Ja über die Strafe ich glaube die Staatsanwaltschaft hatte ja drei Jahre gefordert.
00:46:57: jetzt hat er in Anführungsstrichen nur fünf Monate bekommen und das auch noch auf Bewährung.
00:47:03: Also klar, ich meine man kann ihm jetzt natürlich nicht vorwerfen er hat es ja nicht absichtlich gemacht.
00:47:07: davon gehe ich jetzt mal aus aber Ich finde schon dass es so ein bisschen verantwortungslos klingt.
00:47:13: Ja also in meinen Augen ist die Strafe zu melder als.
00:47:15: ich finde Das wirklich heftig was er mit ihr gemacht hat.
00:47:18: also er war der erfahrenere Bergsteiger und wie du sagst, er hätte auf jeden Fall einschätzen müssen.
00:47:24: Dass sie da oben am Ende der Kräfte ist und dass das vielleicht auch für Sie einfach zu viel war in diesem Moment?
00:47:30: Und da hätte er auch... Vielleicht war es stolz, vielleicht hat er's nicht richtig erkannt Da hätte ja einfach die Berghettung anrufen müssen.
00:47:37: Da hätte er den Helikopter rufen müssen.
00:47:39: also ob der Helikoptner in dieser Situation hätte helfen können oder nicht Das ist ja die Frage.
00:47:44: aber dadurch, dass er noch nicht mal signalisiert hat, dass sie in Not sind kann ich mir nur vorstellen, dass er das einfach vielleicht mit seinem Stolz nicht vereinbaren konnte.
00:47:53: Dass er jetzt sagt okay, ich habe das hier falsch eingeschätzt und wir brauchen Hilfe und wir kommen hier nicht
00:47:58: weiter.".
00:47:59: Und das kann niemals ein Grund dafür sein dann weiterzugehen und die Frau im Zweifel zurück zu lassen!
00:48:04: Vor allem hätte er vorher Hilfe gerufen, hätte sich vielleicht jemanden zu Fuß auf den Weg machen können... ...und dann hätte er vielleicht auch mit ihr da warten können.
00:48:13: denn was ich jetzt noch so ein bisschen gelesen hab also ich habe ja diesen Biwak-Sack angesprochen Den gibt es vor allem für so Notfälle, für zwei Personen.
00:48:23: Wenn du zu zweit in einem Ding bist, kannst du dich gegenseitig wärmen und dann überträgt sich die Wärme von einem auf den anderen.
00:48:31: Hätte er jetzt Hilfe gerufen?
00:48:33: Hätte vielleicht doch mit ihr da ausharren können ... Das weiß man alles nicht!
00:48:37: Ich kenne mich auch zu wenig aus mit den Temperaturen und wie man das überleben kann.
00:48:42: Aber so ist es ja fast klar dadurch dass sie halt ... da sitzen, blieb und dann auch noch ohne so eine Notdecke also gar nicht eingewickelt oder so würde ich jetzt mal so leihenhaft denken hatte die ja überhaupt keine Chance das zu überleben weil er ist ja gegen zwei Uhr nachts gegangen.
00:48:57: Und die Retter sind ja erst um zehn da angekommen.
00:48:59: Ich meine da ist halt so viel Zeit dazwischen.
00:49:02: Also wie willst du das?
00:49:03: Da oben auf über fast viertausend Metern Höhe bei minus neun Grad gefüllten minus zwanzig Grad aushalten solange?
00:49:11: es ist absolut schrecklich
00:49:13: Ja, absolut.
00:49:14: Also ich finde es unverantwortlich und mich macht das ein bisschen sauer dieses milde Urteil auch dass er zur Hütte gegangen ist.
00:49:19: Ich meine, dass die da mitten in der Nacht nicht besetzt ist.
00:49:21: davon war ja eigentlich auszugehen Dass es vielleicht nur so ein Alibi-Besuch ist.
00:49:26: aber ja ich find's unverantwortlich.
00:49:28: Und ja, finde es auch ehrlich gesagt jetzt kein richtiges Signal an die anderen Bergsteige.
00:49:34: klar Er ist jetzt zu Verantwortung gezogen worden.
00:49:37: Aber dass die Strafe relativ milder ist und auch Jetzt zur Bewährung ausgesetzt wird finde ich nicht so richtig.
00:49:45: Ja, ich find's halt auch so krass dass er überhaupt bei Dunkelheit weitergehen wollte.
00:49:49: also ich sag mal das eine ist ja zu sagen okay du gehst mit deiner Freundin da hoch du denkst irgendwie du traust dir das als Paar zu aber dann musst Du halt von der Uhrzeit los gehen wo einfach klar ist dass Du noch im hellen da oben ankommst und das auch mit Puffer Aber dadurch dass die ja quasi Stunden später erst da losgegangen sind von diesem Frühstücksplatz da, wo ja eigentlich klar war dass sie es nicht im hellen schaffen werden weil das allein von der regulären Zeit schon nicht gereicht hätte und ich finde das absolut wahnsinnig.
00:50:17: Ich meine wenn du dir diesen Gipfel auf dem Foto anguckst, dass du einfach also klar du hast eine Stirnlampe aber damit kannst du ja nicht weit gucken oder kannst ja nur deine Schritte vor dir irgendwie einigermaßen erkennen aber du hast ja überhaupt keinen Plan mehr wo du genau bist wie weit die Strecke noch ist.
00:50:34: als jemand, der diesen Berg noch nie im Hellen bestiegen hat.
00:50:37: Was ja für sie offensichtlich galt?
00:50:39: Die dann da im Dunkeln hochzuscheuchen finde ich absolutes Unding und total verantwortungslos.
00:50:44: Ja
00:50:45: absolut auch gut dass der Richter gesagt hat das er sich absolut inkompetent verhalten hat weil es ist kein Zeichen von Stärke in diesem Moment zu sagen wir gehen trotzdem weiter sondern es ist ein Zeichen Von Stärke wenn du dann sagst okay Ich erkenne diese Gefahr hier an und ich sage Wir kehren jetzt um und übernehme Verantwortung.
00:51:04: Und es wäre ja auch nichts dabei gewesen, ehrlich gesagt einfach da zu übernachten und dann die Tour am nächsten Tag zum Machen – ich meine jetzt mal doof gesagt!
00:51:12: Es gab ja nix zu gewinnen.
00:51:14: also ist ja nicht so dass es irgendwas zu erreichen gab das man jetzt unbedingt an einem Tag durchziehen muss.
00:51:20: Das gibt ja überhaupt keine….
00:51:21: Ist ja nicht nötig.
00:51:22: Ja
00:51:23: und selbst wenn?
00:51:25: Ja, auf jeden Fall irgendwie ein Fall der einen mitnimmt.
00:51:28: Der mich nicht losgelassen hat weil du dir vielleicht auch vorstellt, okay wie geht es dieser Frauen in dieser Situation?
00:51:34: Du bist da ganz hilflos den Witterungsverhältnissen diesen Witterungbedingungen ausgeliefert, der Kälte dem Wind und dann noch ganz allein mitten in der Nacht.
00:51:42: also schrecklicher geht das ja gar nicht.
00:51:45: ich glaube dass macht diesen Fall einfach so.
00:51:46: besonders
00:51:47: Ja, total.
00:51:48: Deshalb kann man schon irgendwie nachvollziehen, dass der auch über die Grenzen Österreichs hinweg die Menschen einfach beschäftigt hat haben wir ja am Anfang schon gesagt.
00:51:55: Jetzt sind wir gespannt was ihr darüber denkt.
00:51:58: Was denkt ihr über das Urteil?
00:51:59: Hätte das Urteil härter ausfallen sollen und was denkt er überhaupt generell darüber?
00:52:04: Auch dass die Mutter zum Beispiel von Kerstin ja ihm die Schuld eigentlich nicht geben will ist ja auch ganz interessant.
00:52:10: Also postet mal Wir sind sehr gespannt auf eure Meinung
00:52:13: Und ansonsten Bis zur nächsten Woche auch.
00:52:16: Da haben wir schon wieder einen Pfeil im Kopf, den wir euch da vielleicht vorstellen werden und natürlich unseren ganz normalen Sisters in Crime to Crime Filing gibt es natürlich am Dienstag wieder.
00:52:26: Genau so sieht das aus!
00:52:28: Und bis dahin wünschen wir euch jetzt erstmal einen schönen Tag.
00:52:31: Macht's
00:52:32: gut!
00:52:33: Ciao!
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